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Rheda – die Phantom-Festung

11. August 2012, 18:16pm

Veröffentlicht von asmodeus

rlc satellit 1

Louis Fédie stellte seiner Arbeit über Rheda-RLC drei Fragen voran, auf die er überzeugende Antworten finden wollte. Diese drei Kernfragen lauteten:

Was war der richtige Name dieser Hauptstadt (der Hauptstadt des Razès, Anm. U.V.)?

Wo war ihre wirkliche geographische Lage?

In welche Epoche fällt ihre Entstehung?

Wie wir nun wissen, können seine Antworten  nicht als der Weisheit letzter Schluss betrachtet werden. Zu viele Ungereimtheiten in seiner eigenen Arbeit stellen Fédies Schlussfolgerungen in Frage und die faktischen Gegebenheiten widersprechen ihnen überdies in ganz entscheidenden Punkten. Andererseits wollte es uns aber auch nicht so recht einleuchten, dass ein Mann, wie Louis Fédie, an dessen Kompetenz und Aufrichtigkeit wir nach wie vor nicht zweifeln, sich im Grunde genommen einfach bloss komplett in eine fixe Idee verrannt haben sollte. Wie sollten nun aber zwei so konträr wirkende Aufassungen – unsere eigenen Forschungsergebnisse und die von Louis Fédie – unter einen Hut zu bringen sein?

Hatten wir vielleicht etwas übersehen? – Jein

Wir hatten übersehen, dass Louis Fédie etwas ganz Entscheidendes übersehen hatte. Das wurde uns klar, als wir einer gänzlich anderen Frage nachgingen, als der, ob RLC denn nun das alte Rhedae gewesen ist oder nicht. Seit langem schon wunderten wir uns in nicht geringem Masse darüber, dass das Château, in Rennes-le-Château, gewissermassen namenlos zu sein scheint. Obwohl es heute oft Château-Hautpoul genannt wird, steht fest, dass dies nicht sein richtiger Name sein kann, denn die Ruine des echten Château-Hautpoul trohnt auf einem Felsen, in dem gleichnamigen Ort, hoch über Mazamet.

Wir sahen folgendes Problem:

 Da ist doch zunächst mal eines überaus merkwürdig: Den Namen "Château d'Hautpoul" konnte es ja theoretisch ganz bestimmt erst bekommen haben, nachdem Pierre-Raymond de Hautpoul seine Blanche de Marquefave geheiratet hatte. Wie hieß das Château aber vorher?

Das müßte doch wohl herauszufinden sein - sollte man meinen...

Château de Voisin etwa?

Das ist so gut wie ausgeschlossen. Der Hauptsitz der Voisins ist in Limoux gewesen. Aber das dortige Château hieß auch nicht Voisins. Auch keines der anderen Château im Razès, auf denen Sippenangehörige der Voisins saßen trug deren Namen, die behielten alle ihre alten Namen - bis heute. RlC ist zudem als letztes Voisins-Château in Betrieb genommen worden, wäre also bei einer Namensvergabe ohnehin viel zu spät drangekommen.

Aber selbst wenn Pierre de Voisins sein Château in RlC auf seinen Namen getauft haben sollte (was eher unüblich war und wofür es auch keinen Beleg gibt) - wie hieß das Château jedoch vorher - vor dem Katharerkreuzzug?

Wieso tragen die allermeisten Châteaus sogar heute noch ihre uralten Namen, unabhängig davon, wie die verschiedenen späteren Herren hießen. Wir wissen, daß diese Herren nicht selten eher die an so einem Herrensitz hängenden Rechte und Titel annahmen. Von einem umgekehrten Fall dagegen habe ich noch nie gehört.

Warum ist der Name des Château irgendwenn ausgelöscht worden?

Und warum wurde Rhedae vermutlich um die Zeit herum, als der Name des Châteaus ausradiert wurde, mit dem seltsamen Namen beglückt, den der Ort heute trägt?

Hat das möglicherweise mit dem wirklichen Geheimnis von RlC zu tun?

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist heute, wie gesagt, neben der Bezeichnung Château-Hautpoul, auch Château de Rennes geläufig. Und das sollte man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Dorf mit dem Namen „Rennes-die-Burg“ und eine Burg, die man „Burg von Rennes“ nennt. Eigentlich gedankenlos gebraucht, aber nichts desto trotz könnte ein tieferer Sinn in den Bezeichnungen stecken. Das sollte uns schon bald klar werden.

Im Anhang gehen wir detaillierter auf  unsere Suche nach dem alten Namen des Château von RLC ein. Hier wollen wir lediglich den Grund dafür nennen, warum wir uns erneut in Fédies „Comté de Razès“ vertieften. Denn als wir den Text akribisch nach möglichen Hinweisen  auf die Herren von Rhedae, in der Zeit vor dem Beginn der Katharer-Kreuzzüge, durchsuchten, wurden wir tatsächlich fündig. Unsere Textanalyse wurde sogar in zweifacher Hinsicht belohnt.

Zum Einen stellten wir fest, dass Rheda eine Zeit lang Sitz der legendären Grafen von Razès gewesen sein muss und zum Anderen stellte es sich heraus, dass wir uns keineswegs irrten, als wir Vermutungen darüber anstellten, dass es nicht nur ein einziges Rheda gegeben haben kann. Letzt genannten Sachverhalt bestätigen sogar eben jene alten Urkunden, auf die Fédie seine Thesen massgeblich stützte. Die er aber falsch interpretierte. Wir meinen nunmehr den casus knacksus, den alles entscheidenden Denkfehler in seiner Theorie gefunden zu haben. Geradezu tragisch mutet es an, dass er den Schlüssel in der Hand hielt. Er hatte ihn sogar selber gefeilt und mühte sich dann damit ab, ihn verkehrt herum ins Schloss zu stecken. Dabei stand die Türe schon sperrangelweit offen.

Geben wir ihm nun selbst das Wort:

Historische Dokumente deren Älteste aus dem 7.Jh. stammen, unter denen ein erhaltener Akt im Verzeichnis von Capcir ist, erwähnen ein Territorium oder vielmehr eine Diözese, in Septimanien gelegen, die sich Rhedesium oder Pagus Rhedensis nennt. Diese Diözese hatte eine Hauptstadt. Was war der richtige Name dieser Hauptstadt? Wo war ihre wirkliche geographische Lage? In welche Epoche fällt ihre Entstehung?

Beim ersten Punkt ist die Antwort einfach. Die zwei Prälaten, die 789 von Karl dem Grossen als Richter-Kommissare nach Septimanien geschickt wurden, wiesen auf die Stadt Rhedae hin, die sie mit Narbonne und Carcassonne in einem Atemzug nannten.

Diese Erwähnung von Rhedae, klassiert von diesem Teil des Klerus als eine bedeutende Stadt, bedarf keines Kommentars. Es handelte sich sicher um eine der bedeutendsten Städte von Septimanien, die nur die Hauptstadt der Diözese sein konnte und dieser den Namen gegeben hatte. BESSE, einer der Historiker die man gerne konsultiert, ist geneigt zu glauben, dass im Laufe des 6.Jh. die Bischöfe von Carcassonne, von den Ariens von ihrem Sitz verjagt, ihre provisorische Residenz in Rhedae eingerichtet hatten. Dies ist also der Beweis, dass in einer Epoche vor dem 7. Jh. nicht nur eine Stadt bestanden hat, sondern eine bedeutende Stadt, die die Hauptstadt von Rhedesium war.“ (Fédie)

Louis Fédies Antwort auf die erste Frage erschien uns bisher immer völlig korrekt. Doch nun, bei genauerem Hinsehen, können wir bereits mit seiner Antwort auf die erste Frage schon nicht mehr so recht zufrieden sein.

Möglicherweise erklärt sich das aber aus seiner recht eigenartigen Art und Weise der Beweisführung, die es verdient,  etwas genauer analysiert zu werden.

Da existieren also historische Dokumente, denen zu entnehmen ist, dass bereits im 7.Jh. eine Diözese existierte, die sich Rhedesium oder auch Pagus Rhedensis nannte. Vorausgesetzt, dass diese Urkunden echt sind – was bei so alten Urkunden zu allererst prüfen wäre, falls es sich um Originale handeln soll – dann hätten diese Urkunden wirklich Beweiskraft. In Anbetracht der vielen Hinweise aus unterschiedlichsten Quellen, die eine Diözese Pagus Rhedensis kennen, sehen wir auch keinen Grund, die Existenz dieses  Territoriums in Zweifel zu ziehen. Das zu akzeptieren bedeutet zugleich auch die Existenz einer „Hauptstadt“, eines Verwaltungszentrums mit voraus zu setzen.

Damit dürfte das Vorhandensein einer Diözese Pagus Rhedensis und ihrer Hauptstadt  hinreichend fest stehen und an Fédies Beweisführung ist bis zu diesem Punkt nichts auszusetzen.

Doch was sich daran anschliesst ist keine Beweisführung mehr, das ist bestenfalls eine Indizienkette und sie ist nachweislich falsch, wie wir später noch zeigen werden. Und weil ein namhafter Historiker an etwas zu glauben geneigt ist, genügt das Fédie vollauf als Beweis für seine eigenen Vermutungen.

Es verbleibt uns zu untersuchen, wo die geographische Position dieser Stadt war und über ihre Gründung zu recherchieren.“ (Fédie)

Das haben wir unternommen und sind zu völlig anderen Ergebnissen gekommen, als Fédie, welcher meinte: „Kein Historiker gibt Hinweise auf den Ursprung, die Wichtigkeit und die historische Rolle der Stadt Rhedae. Ihre Gründung ist so mysteriös, dass es scheint, als ob die Chronisten und Archäologen entmutigt wurden.

Man hat ihr nicht die Ehre erwiesen eine Fabel  oder eine Legende zu kreieren um den Beginn zu erklären. Diesen volkstümlichen Nimbus, geprägt von Herrlichkeit, der die Geburt von gewissen Städten der gallischen Narbonnaise, speziell Carcassonne umgibt, fehlt hier völlig. Man sagte, dass sie als Ganzes entstanden ist und erst einige Jahrhunderte nach der Gründung entdeckt wurde. Wir finden die Erklärung dieses historischen Phänomens in der Tatsache, dass die Entstehung der Hauptstadt Rhedesiums nach der römischen Besetzung jedoch bevor die soziale Konstitution Gestalt annahm, die sofort nach der Eroberung durch die Westgoten in der Narbonnaise stattfand. Das erklärt gewisse irrtümliche Kommentare deren eine Rhedae als eine Original-gallische Stadt sehen, während die anderen die Gründung als eine römische Kolonie betrachten.

Der gleiche Irrtum wurde von gewissen Historikern gemacht, wenn es um die exakte Bestimmung der Lage und Ausdehnung der Stadt Rhedae ging. Die einen glaubten, dass sie im Land von Chercorb oder Kercobz gelegen sei, die andern platzierten sie in Rennes-les-Bains. Schlussendlich glaubte man noch, dass zwei Städte gleichen Namens in der gallischen Narbonnaise existierten. (Fédie)

So also fasste Fédie den damaligen Stand der Forschungen zusammen, der im wesentlichen immer noch der gleiche war, als wir damit begannen, unsere eigenen Antworten, auf die eingangs gestellten Fragen zu finden. Ermutigend war und ist für uns des Meisters Feststellung, dass damals bereits Historiker davon ausgingen, dass es zwei Städte gleichen Namens gegeben gegeben haben muss. Und „man“ hatte offenbar Recht mit dieser Auffassung, welche Fédie als Schlusslicht präsentiert.

Es wird sich nicht ergründen lassen, warum Fédie einfach nicht wahrhaben wollte, dass nicht nur ein einziges, DAS Rheda im Razès existierte, zumal er in seinem Abgesang auf die vormals mächtige Hauptstadt Rheda selber einräumt: dass der „Name Rhedae der sich eine spezielle Bedeutung erworben hatte, weil er Pluralform hatte, weil er zwei Städte in einer bezeichnete; die Stadt oben und die tiefere Stadt.“ (Fédie) Im Plural wird Rheda denn auch tatsächlich regelmässig in den alten Urkunden bezeichnet. Nicht, weil da etwa „zwei Städte in einer“ koexistierten, wie es sich Fédie einbildete, eine Oberstadt und eine Unterstadt, sondern weil zwei verschiedene Orte den gleichen Namen – Rheda – trugen. 

„Die alte Westgotenstadt ist zu einer Grafenstadt geworden. Mal war sie an die Grafschaft Barcelona angelehnt, mal unter der Herrschaft der Domäne der Grafen von Carcassonne, sie nahm einen bedeutenden Rang unter den kleinen Königreichen innerhalb des grossen Königreiches ein.  Dann, 957, wurde das Rhedesium zur Apanage zugunsten von Odon, Sohn der Prinzessin Ermessinde. Während eines Jahrhunderts waren die Nachfolger von Odon oder Eudes Landgrafen von Rhedae und diese Periode markiert die bedeutendste Phase der Existenz der Stadt, die die permanente Residenz eines souveränen Herrschers war. In dieser Zeit spielte Rhedae eine fast so wichtige Rolle wie Carcassonne.“ (Fédie)

Diese Darstellung entspricht exakt der offiziellen Geschichte des heutigen Château Fenouillet. Noch deutlicher wird die Existenz von zwei verschiedenen gleichnamigen Städten im Zusammenhang mit einer ganz bestimmten geschichtlichen Episode. Als nämlich, am 06. September des Jahres 1067, die Tochter des Grafen von Carcassonne, Ermengarde und ihr Gatte, Raymond Bernard, der Vizegraf von Bézier und Albi, die gesamte Grafschaft Rhedae an Raymond Roger, den Grafen von Barcelona und seine Frau, Almodis, verkauften. In der Verkaufsurkunde heisst es: "Vendimus tibi totum commitatum de Rhedae eum omnibus suis pertinentibus, etipsos ambos castros de Rhedez...". Auffallend ist dabei die ungewöhnliche Formulierung “ambos castros Rhedez”. Über die sich Louis Fédie mit Recht seine eigenen Gedanken machte.  Denn  im Vergleich mit anderen Urkunden, in denen derartige Rechtsverhältnisse minutiös und detailliert geregelt werden, weicht der Text von der üblicherweise gebrauchten Formel – “vendimus tibi civitatem” (de Rhedae) – sichtlich stark ab. Weil die übliche Formel in dem Fall nicht dem spzifischen Sachverhalt genügte (zwei gleichnamige Städte), mithin anfechtbar gewesen wäre, wurde sie geändert.  “Als Konsequenz wurde diese Redewendung von civitatem von Rhedae, die man erwartet in diesem Akt zu finden, ersetzt durch die andere präzisere Redewendung „ambos castros de Rhedae“.

Hier die Erklärung dieser Variante, dieser neuen Bezeichnung.

Diese Worte „ambos castros de Rhedae“, stehen für die zwei befestigten Städte von Rhedae , die obere und die untere Stadt, wie man es zwei Jahrhunderte später von Carcassonne sagen kann.

Wir insistieren nicht länger auf diesem wichtigen Punkt, der ein ganz neues Licht auf die Stadt von Rhedae wirft.“ (Fédie)

Louis Fédie hätte vermutlich gut daran getan, lieber doch etwas länger auf diesen wichtigen Punkt zu insistieren. Denn um einen überaus wichtigen Punkt handelt es sich ja nun ganz eindeutig. Nicht zuletzt um den Punkt, in dem er sich so gewaltig irrte. Denn da ist die Rede von den zwei Festungen namens Rhedae – nicht von einer Stadt in der Stadt. Von seinem Grundirrtum ausgehend sucht Fédie nach weiteren Beweisen für seine Theorie: „Wir suchen Beweise zur Unterstützung unserer These über die Konfiguration von Rhedae, auf die gleichzeitige Existenz der westgotischen Stadt in der Ebene und seiner Festung auf dem Höhenzug,  die beide umrundet waren von einer Reihe von Befestigungen  und so zwei Städte in einer Stadt bildeten. Dieser Beweis, hier ist er.

Sie (die Stadt) wird 1067 verkauft.

Aber dieser Verkauf enthielt auch andere Sachen. Dies ist, um es so zu sagen, das Sinnbild von Rhedae, das Zeichen seiner Wichtigkeit; weil in diesem authentischen Akt der die Grafschaft Barcelona in den Besitz des Rhedesiums bringt, wird keine andere Stadt erwähnt, kein anderes Städtchen, nicht mal eine Burg war genügend interessant um erwähnt zu werden.

Dieser Akt sagt, nachdem er die beiden befestigten Städte von Rhedae erwähnt hat: "Vendimus totos alios castellos qui in jam dicto comitatu sunt, et totas illrum castellanias in super, et totas abbatias... cum omnibus ecclesiis, villis, domibus et molendinis et molendariis...".            Dieser Verkauf vermerkt auch im Detail alle Herrschaftsrechte die zum Titel eines Grafen von Rhedae gehörten. Diese Rechte waren mehr als herrschaftlich, sie waren hoheitlich und die Grafen von Rhedez, die sie ausübten, konnten sich mit den Grafen von Carcassonne und Barcelona messen.

Schliesslich beurkundet der Akt eine abschliessende Aufzählung bezüglich der Nachbarschaften der Grafschaft.

Hier die Details:

Im Osten an die Grafschaft Narbonne

Im Süden die Grafschaften von Roussillon, von Conflent und von der Cerdagne.

Im Westen die Grafschaften von Toulouse.

Im Norden an diejenige von Carcassonne.“ (Fédie)

Wir finden immer noch keine Erklärung dafür, warum Louis Fédie sich dermassen in die merkwürdige Vorstellung einer Stadt in der Stadt verrannte, wo in den Urkunden doch offensichtlich einfach nur von zwei verschiedenen Städten die Rede ist, und alle anderen in der Grafschaft vorhandenen Castelle, und Liegenschaften, alle Kirchen, Dörfer, Gebäude Mühlen und Müller, gesondert Erwähnung finden.

Also sehen wir weiter. In anderen alten Urkunden werden verschiedentlich Orte erwähnt, deren Namen Reddis, Regis, Rheda, Redenses, Rhedasque (bei Theodulph) u.a. lauten. Hier geht Fédie nun einfach davon aus, dass es sich durchweg lediglich um unterschiedliche Schreibweisen für ein und desselben Ortsnamen handelt. Das könnte zwar möglich sein, aber eben so gut, oder vielleicht sogar noch eher dürften es verschiedene Orte gewesen sein.

Statt dessen finden wir noch eindeutigere Belege für die Existenz von zwei gesonderten Festungsanlagen mit dem gleichen Namen Rheda.. Im Jahr 1184 legte Bertrand Aton, Sohn der Gräfin Ermengarde, die um ihre Besitzrechte in ihrer Grafschaft Razès stritt, einen Treueid ab, die zwei Festungen Rhedae zu verteidigen. Nach der selben Formel, die in dem Verkaufsvertrag von 1067 gebraucht wurde – „pro ambi castris“. In diesem Fall erscheint uns nur eine Schlussfolgerung logisch zu sein. Würde es sich bei den „ambi castris“ um zwei ineinandergebaute Festungsanlagen gehandelt haben, erschiene es wenig sinnvoll, wäre es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, nur eine von ihnen verteidigen zu wollen. Mit der Formel „pro castrum rheda“ hätte der Sohn seiner Mutter die Verteidigung von Rheda vollauf garantiert, wenn es um einen Festungskomplex gegangen wäre, der sich aus zwei Stadtteilen, einer Ober- und einer Unterstadt, zusammengesetzt hätte.

Überhaupt erscheint uns die Vorstellung von zwei zusammenhängenden Städten, genauer, von einer „Stadt in der Stadt“, mehr als befremdlich. Dann wären das zwei Stadtteile, keine zwei Städte. Und in jeder Stadt, die sich aus mehreren Stadtteilen zusammensetzt, trägt jeder Stadtteil für gewöhnlich seinen eigenen Namen und keiner von ihnen den den selben Namen wie die gesamte Stadt. Nicht viel anders liegen die Dinge bei grossen Festungsanlagen, die auch nur einen Namen führen, auch wenn sie sich in verschiedene Verteidigungszentren gliedern, von denen jedes einzelne zur Unterscheidung wiederum einen besonderen Namen oder eine Bezeichnung hat. Eine Festung Königstein beispielsweise, mit der Zitadelle A und der Zitadelle B. Sollte Rheda demnach so, wie es Fédie sich vorstellte, aus einer oberen und einer unteren Stadt oder Zitadelle bestanden haben, von denen die eine unseretwegen „Castrum Valens“ und die andere „La Salasso“ genannt worden ist, dann wäre das ganze Gebilde trotzdem nur eine einzige Festungsstadt Rheda gewesen.

Aber lassen wir Louis Fédie jetzt weiter über die Rolle und die Bedeutung des späten Rheda berichten, weil wir selbst in diesen Schilderungen noch Informationen finden, die unsere These stützen. Der Verkauf, im Jahr 1067, muss ihm ungeheuer bedeutsam erschienen sein, weil er „beweist, dass die Comitatis Rhedensis bedeutender war als die Comitates Carconnensis, weil sie als Enklaven das Land von Sault, das Donazan, das Land von Fenouillèdes, das Land von Pierre-Pertuze und das Land von Termes einschloss .

Der grössere Teil dieser Territorien bildeten jedoch unabhängige Gebiete oder kirchliche Domänen und so hatte die Grafschaft von Rhedae auf verschiedenen Gebieten ihres kleinen Königreiches keine anerkannte Macht. Sie konnten Souveräntitsrechte ausüben, Geld schlagen, Märkte und Ausstellungen einrichten, Recht sprechen und dies ihren Vasallen und deren Offizieren überlassen, dennoch war ihre Macht oft illusorisch.

Als Folge dieses Verkaufs im Jahre 1067, war das Rhedesium nur noch ein Anhang zur Grafschaft Barcelona und die Stadt Rhedae eine einfache Landgrafenstadt. Wegen diesem Bedeutungsverlust der Westgotenstadt ist es nützlich andere Ereignisse zu betrachten, die die Konsequenz von gewichtigen Vorkommnissen waren, die sich in dieser Provinz gegen Ende des elften Jahrhunderts ereigneten. Einige kirchliche Herrscher weigerten sich, sich den weltlichen Herrschern zu unterwerfen. Auf der anderen Seite entwickelte sich das bürgerliche Element in den grösseren Bevölkerungszentren. Schliesslich bekriegten sich einige Feudalherren untereinander, um der gräflichen Autorität zu widerstehen. Solche Umstände favorisierten im Rhedesium die Entwicklung von gewissen Städten, die begannen, eine bedeutende Rolle unabhängig von Rhedae zu spielen. Das war in erster Linie Limoux, eine einfache Burg, die dazu tendierte, die Hauptstadt der Gegend zu werden. Das war auch Alêt, das unter dem Einfluss seiner Fürstäbte sich in eine Stadt mit angenehmen Vorteilen verwandelte. Schliesslich Caudiès und Quillan, die nicht mehr unbedeutende Dörfer zu Fusse alter westgotischer Festungen waren. Rhedae verlor was es gewonnen hatt,e in einer Zeit wo der Geschmack des Luxus und des guten Lebens sich in der hohen Gesellschaft und im Bürgertum ausbreitete, wegen dieser Rivalenstädte, die besser dotiert waren, in Bezug auf Sonne und Klima. Die alte westgotische Heimstatt, auf einem wilden Plateau gelegen, bot keine Annehmlichkeiten. Belebte Gewässer, Blumen, schöne Bäume und Gemüsekulturen fehlten hier. Rhedae begann deshalb seinen Rang zu verlieren.

Ein Gouverneur oder Verweser, ein Vikar  kommandierte für die Grafen. Das war nicht mehr der Sitz eines Hofes, der Ort wo sich die Feudalherren der Gegend versammelten, aber immer noch die Hauptstadt von Rhedesium, der stark befestigte Ort, der die Gegend beherrschte und der Besitz der Stadt war gekoppelt an den Besitz der ganzen Gegend. Während der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bewahrte Rhedae seine Bedeutung. Nach Carcassonne ist sie immer noch die erste Stadt der Domäne der Freiherren. Nach dem Tod von Bernard ATON, als Folge einer Vereinbarung zwischen seinen zwei Söhnen, wurde das Rhedesium zur Apanage des jüngeren Bruders, Raymond TRANCAVEL, Freiherr von Bézier.“ (Fédie)

Doch wir finden, dass die hier besprochenen Belege ausreichende und triftige Gründe sein können, um unsere Auffassung hinsichtlich der Existenz von mindestens zwei verschiedenen Städten namens Rheda vorerst stabil genug zu untermauern. Diese Auffassung wurde, wie wir anfangs schon erwähnten, bereits von Zeitgenossen Fédies vertreten. Wir sind nunmehr lediglich einen Schritt weiter voran gekommen, indem wir die legendäre Cité de Rheda, von der bisher niemand sagen konnte, wo sie sich befunden hat, möglicherweise lokalisiert haben – im heutigen Fenouillet. Von hier, von Fenouillet aus, kann nunmehr die Gegenprobe durchgeführt werden. Die müsste vordergründig darin bestehen, die belegte Historie von Fenouillet, Castel-Fizel und Tour-Sabarda mit den belegten Daten von Rheda abzugleichen. Zum Teil haben wir das bereits erfolgreich versucht und signifikante Übereinstimmungen feststellen können. Alle bisher gewonnenen Erkenntnisse stimmen uns recht zuversichtlich. Das andere Rheda könnte demzufolge durchaus weiterhin seinen Platz an Stelle des heutigen Rennes-le-Château behaupten – nur, die von Theodulph bezeugte Cité-Rheda ist RLC niemals gewesen. Die von Fédie beschriebene Cité-Rheda dürfte jedoch allem Anschein nach in dem heutigen Fenouillet ihr Vorbild gefunden haben.

Wir wollen an der Stelle aber auch einer unter Rennologen oft geäusserten Meinung entgegentreten, die darin besteht, dass sich aus alten Urkunden zweifelsfrei nicht nur die Existenz einer grossen Festung Rheda herleiten liesse, sondern darüber hinaus auch noch eindeutig zu entnehmen sei, dass damit Rennes-le-Château gemeint wäre. Eben diese fraglichen Urkunden, in denen Rheda  namentlich genannt wird, haben wir hier mit den betreffenden Stellen zitiert, welche den sachlichen Zusammenhang erkennen lassen. Nirgendwo wird auch nur andeutungsweise ersichtlich, dass mit Rheda ganz klar und unmissverständlich RLC gemeint sein muss. Im Gegenteil, unterzieht man diese fortwährend als Beleg für alle möglichen und unmöglichen Behauptungen vorgeschobenen Urkunden, einer Prüfung, dann stellt es sich regelmässig bald heraus, dass sie entweder überhaupt nicht existieren, anders ausgedrückt, nicht mehr auffindbar sind, oder dass aus ihnen nach Gutdünken und sehr frei zitiert wurde, oder das sie etwas völlig anderes beurkunden.

Greifen wir also einfach ein prominentes Beispiel heraus, an dem wir demonstrieren werden, was wir meinen:

Den Bericht Theodulphs an Karl den Grossen, genauer die Stelle aus dem Bericht, auf der Fédie – und nicht nur er – seine gesamte hypothetische Cité-Rheda-RLC errichtete. Wir lesen:

« Inde revidentes te, Carcassona, Rhedasque Menibus inferimus nos, cito, Narbo tuis ». 

Alles scheint sonnenklar. Theodulph schwärmte dem Kaiser Karl etwas von den drei wunderbaren Städten seiner Heimat vor – von Carcassonne, von Rheda und von Narbonne. Da er seinen Bericht in Latein abfasste wählte er auch die lateinischen Namen der drei Städte. Wieso aber Rhedasque für Rheda? – welches doch sonst in anderen Urkunden, die ebenfalls in Latein abgefasst sind, regelmässig Rheda oder Rhedae genannt wird. Wieso gebrauchte niemand sonst, ausser Theodulph, die Bezeichnung Rhedasque? Dichterische Freiheit, weil der Bericht als Gedicht abgefasst ist?

Wir müssen uns gottlob nicht weiter unsere Köpfe über dieses Rätsel zerbrechen, weil uns das bereits andere Leute abgenommen haben. Leute, die mehr als nur „etwas“ von Latein und von alten Urkunden und von der Geschichte des Languedoc verstehen – die gelernten Historiker. Ihr Urteil über Fédies Theodulph-Interpretation lautet heute: Völlig daneben. In ihrer Mehrheit gestehen sie einer anderen Version grössere Wahrscheinlichkeit zu. Der Arbeit eines Zeitgenossen von Louis Fédie, von der man unter Rennologen kaum je Kenntnis genommen hat.

Bei dem allseits bekannten Zitat handelt es sich um eine Passage aus dem 4.Band der „Chroniques de Languedoc – Revue du Midi historique, archéologique, littéraire et bibliographique“, Herausgegeben, unter Leitung von M. de la Pijadière, Archivar des Herault, Montpellier 1878. Auf S.112, in dem Kapitel, welches sich mit den Flüssen im Languedoc befasst, kommt in der Beschreibung der Aude das besagte Zitat aus dem Gedicht von Theodulph vor. Die recht eigentümliche Übersetzung (ins Französische), die in das Buch aufgenommen wurde, beruht auf einem Abdruck des Gedichtes, in dem Buch „Descriptio fluminum Galliae“, des Papirius Massonus, Paris 1618, welches zum ersten male von P. Jonanin ins Französische übertragen worden ist.

Nach den Chroniques de Languedoc handelt es sich bei dem, vom Bischof von Orleans, erwähnten Ort jedoch nicht um den Ort Rhedae, wie allgemein geglaubt wird, sondern um Rieux Minervois! Die Übersetzung ist offensichtlich falsch!

Erinnern wir uns: „Beim ersten Punkt ist die Antwort einfach…“ (Fédie)

Fédie ist folglich auf eine Fehlübersetzung hereingefallen und dieser Irrtum setzt sich dann weiter durch seine gesamte Arbeit fort.

Die richtige Übersetzung des Zitates liefert die Bestätigung für unsere Annahme, dass die unterschiedlichen Ortsnamen, Reddis, Regis, Rhedae, Rhedasque, Reda, Rena usw. nicht nur verschiedene Schreibweisen ein und desselben Ortsnamens sind – wobei das vereinzelt möglicherweise wirklich der Fall sein kann – sondern dass es sich in der Regel tatsächlich um die Namen ganz verschiedener Orte handelt. Ereignisse, Namen von Personen oder Beschreibungen, die jeweils mit der Nennung von beispielsweise Reddis verknüpft sind, wieder andere, die mit einem Rena zusammen hängen – usw. immerfort auf einen wieder anderen Ort, auf das hypothetische Rheda-RLC zu übertragen, diese Methode kann letztlich nur zu einem völlig falschen Bild von Rheda führen.  Zu genau dem Bild, welches wir noch bis vor kurzer Zeit selber von dem alten Rennes-le-Château vor unserem inneren Auge hatten. Das Bild welches sich den äusseren Augen in RLC bietet lässt dagegen, wie gesagt, so gut wie nichts von einer ehemaligen grossen Cité-Rheda erkennen. Worüber man sich allerdings auch wirklich nicht wundern muss. Die einstmals gewaltigen Festungsanlagen existierten nur in Fédies Phantasie.

Louis Fédie, „Le Comté de Razès et le Diocèse d´Alet », Reprint, Belisane, 2008

Rechercheergebnisse für das Château der Grafen von Razès – in Rheda als Anhang

 

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