Die Wiederentdeckung von Rhedae
Cité de Rheda
Die fremden Federn von Rennes-le-Château
112 Einwohner sehen pro Jahr mehr als 100.000 Besucher: so läßt sich die Situation jener kleinen Kommune im Limouxin, deren internationales Ansehen, auf der sagenhaften Entdeckung des Abtes Saunière (1852 - 1917) beruht, auf den kürzesten Nenner bringen. Von heute auf morgen stürzte sich dieser einfache Landpfarrer in umfangreiche und kostspielige Arbeiten: Renovierung der Kirche, Bau eines Pfarrhauses, einer pompösen Villa, eines neogotischen Aussichtsturmes, eines gepflegten Parks und eines Gartens mit seltenen Pflanzen... Die Lebensart des „Milliardärs“, brachte ihm einige Sanktionen seitens seiner Vorgesetzten ein und verursachte viele Nachforschungen. Ist der Ordensschatz der Templer oder der, der Wisigoten, etwa sogar der mythische Graal, die Quelle seines Reichtums gewesen ? Heutzutage noch bleibt das ein Geheimnis. „So, daß die Touristen öfter mit Schaufeln und mit Hacken bewaffnet, als mit einem Fotoapparat hierher kommen.“ (Hélén Florenti)
Ohne diese touristische Anziehungskraft zu verleugnen, wünscht die Stadtverwaltung heute, vordergründig das geschichtliche Interesse auf die weitgehend vernachlässigte, echte Historie der Gegend zu lenken, auf die ehemals berühmte Hauptstadt der Wisigoten: Rhedae. Deren ungeheurer Glanz einstmals mindestens ebenso erstrahlte, wie der, der Cité von Carcassonne. Zu diesem löblichen Vorsatz kann man Jean-Francois Lhullier, den amtierenden Bürgermeister von Rennes-le-Château nur beglückwünschen, und ihn in seinen dahingehenden Plänen unterstützen.
Doch ist das, was der Bürgermeister unter „echter Historie“ versteht, heute überhaupt noch zu trennen, von den Saunière-Trésor-Templière-Legenden ?
Ist die Geschichte des Abbé denn inzwischen etwa nicht ein Teil der „echten Historie“ von Rennes geworden ? - und sicherlich nicht einmal deren schlechtester Teil.
So gesehen, kann es wohl kaum falsch oder nutzlos sein, Bérenger Saunières Spuren zu verfolgen, die letztlich an eben jene Plätze führen, an denen sich die großartige und überaus interessante Geschichte Occitaniens ablesen läßt, und vielleicht findet sich darunter dann endlich auch jener Ort, aus dem der Abbé seinen sagenhaften Reichtum mit vollen Händen schöpfte.
Seit zu Beginn der 60er Jahre von einem Möchtegern-Hotelier und einem Romanschriftsteller aus den zahllosen Gerüchten und Spekulationen um den Krösus von Rennes-le-Château jener Mythus gestrickt worden ist, der heute noch im wesentlichen das Bild bestimmt, sind tausende Forscher, Abenteurer und Okkultisten den echten und den vermeintlichen Spuren Saunières gefolgt. Im großen und ganzen mit bestenfalls zweifelhaftem Erfolg. Daher scheint es mehr als ratsam, nunmehr die eine oder die andere bisher übersehene Spur aufzunehmen.
Ein Phantom im Nebel gewinnt Konturen
Noch ganz unter dem Eindruck unserer Exkursion zu der alten Fenouillet-Festung, wollten wir mehr über diese einstmals mächtige Anlage und ihre ehemaligen Herren erfahren. Louis Fédie, als ein ausgewiesener Kenner, stellte bereits fest, dass Saint-Peyre keinesfalls ein gewöhnliches Château gewesen sei. Er sprach von einer kleinen „cité guerrière“, einer kleinen Festungsstadt also, und es fehlte nur, dass er den Vergleich mit dem natürlich viel grösseren Carcassonne angestellt hätte. Im übrigen fanden wir bei Fédie unsere anfängliche Vermutung bestätigt – „man nannte sie (diese Cité) im Mittelalter und darüber hinaus, bis in moderne Zeiten „les châteaux de Fenouillet“.
Uns jedenfalls erscheint ein Vergleich mit der Cité von Carcassone in mancher Hinsicht durchaus nicht unpassend, weil es sich ursprünglich um Festungsanlagen der Wisigoten handelt, deren Handschrift man in Carcassonne sowieso, aber auch in Fenouillet erkennt. Das brachte uns auf die Idee, noch einen weiteren Vergleich zu versuchen, der, unserer Meinung nach, auf jeden Fall näher liegen würde, als der Vergleich mit Carcassonne.
Sollte es denn wirklich nicht möglich und auch zulässig sein, sich anhand der erhaltenen Baustrukturen in Fenouillet, eine bessere Vorstellung vom früheren Aussehen des alten, von den Wisigoten befestigten, Rhedae zu verschaffen?
Gesagt – getan. Und siehe da, wir wollten es zuerst kaum glauben und wir sträuben uns, ehrlich gesagt, innerlich immer noch gegen die Schussfolgerungen, die sich einem geradezu aufdrängen, wenn man Rennes-le-Château und Château Saint-Peyre miteinander vergleicht. Und das umso mehr, wenn man sich dabei massgeblich auf die Arbeit von Louis Fédie stützt. Denn seine Beschreibung des alten Rhedae passt überraschenderweise bis in wichtige Details viel eher auf Saint-Peyre, als auf Rennes-le-Château. Wir fragen uns jetzt eigentlich nur noch, warum Fédie das alte Rhedae unbedingt auf dem Hügel ansiedeln wollte, auf dem sich das heutige Rennes-le-Château befindet?
Der einzige schwache Anhalt für diese Annahme findet sich in alten Urkunden, in denen Rennes-le-Château unter alten Namen, wie Reda, Reddas, Redensis oder Rhedesium erwähnt worden sei. Aus dieser Wurzel sei dann schliesslich der aktuelle Name Rennes-le-Château geworden. Was zwar nicht völlig ausgeschlossen werden kann, aber doch sehr fraglich erscheint.
Denn nicht einmal über die tatsächliche Bedeutung und Herkunft des Namens Rennes wissen die Fachleute etwas zuverlässiges. Man hat sich überwiegend darauf geeinigt, dass mit dem Begriff Rheda „vierrädrige Fuhrwerke“ (Wagen) gemeint seien, wie sie die Goten auf ihrem grossen Treck, auf ihren Wanderzügen durch halb Europa benutzten. Grosse, flache vierrädrige Wagen, mit einem Aufbau aus Leder oder Weidengeflecht, gezogen von Büffeln. Diese Wagen rangierten die Goten auf ihren jeweiligen Lagerplätzen zu Wagenburgen zusammen – einer Rheda, wie sie solch ein Lager nannten. Dieser Auffassung war auch Louis Fédie und darin stimmen wir mit ihm überein. Es sei aber nicht verschwiegen, dass daneben, auch heute noch vereinzelt andere Ansichten vertreten werden, die jedoch weitaus weniger Anspruch auf Wahrscheinlichkeit erheben können, als die Wagenburg. Darunter sehr weit hergeholte, um nicht zu sagen abwegige Spekulationen, wie die von Abbé Bruno Monts und M.R. Mazières, welche meinten, dass die alten hier ansässigen Völker an dem Ort einen Sturm- und Gewittergott namens Red angebetet hätten – von dem man sonst kaum je gehört hat. Wieder andere Forscher wollen einen Wortzusammenhang mit dem Volk der Redonen sehen, von dem wir wenigsten annehmen können, dass es tatsächlich existierte, und dass beispielsweise auch bei Abbé Boudet Erwähnung findet. Angesichts der Tatsache, dass der Ortsname Rennes in ganz Frankreich vorkommt, also auch in Gegenden, in welche die Goten niemals einen Fuss setzten – geschweige denn eine Wageburg bildeten – erscheint es ohnhin noch fraglicher, dass sich der Name Rennes aus der Wurzel Rheda gebildet haben sollte.
Doch wir wollen auf die Etymologie später noch einmal zurück kommem. Nichts spricht schliesslich dagegen, dass eine Gotengruppe, im Zuge ihrer Landnahme in der römischen Provinz, auf eben jenem Berg ihre Wagenburg gruppierte, aus der später eine Siedlung wurde, die von den Goten noch lange Zeit später Rheda genannt worden ist. Das dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit so üblich gewesen sein – und zwar überall, wo die Wisigoten sich in dieser Weise ansiedelten. Und das ist der entscheidende Punkt. Der Punkt, in dem sich Fédie offenbar irrte, weil er davon überzeugt gewesen ist, dass mit Rhedae nur das heutige Rennes-le-Château gemeint sein kann, wenn in alten Urkunden und Chroniken der Name solch eines Ortes erwähnt wird. Das Dilemma ist von jeher offenkundig und Fédie ging es in seiner Arbeit ja gerade vor allen Dingen darum, dieses vertrackte Rhedae, von dem niemand sagen konnte, wo es denn eigentlich lag, endlich zu identifizieren und zu lokalisieren. Dabei scheint er sich bald schon dermassen in die Idee verrannt zu haben, dass RLC das alte Rhedae ist, dass ihm nicht einmal dann auffiel, was er vor sich hatte, als er die Geschichte des Château Fenouillet niederschrieb. Nicht so völlig zu Unrecht wird ihm deshalb innerhalb der Historikerzunft eine regelrechte Manie nachgesagt.
Nun ist der Gedanke, dass Fédie sich geirrt haben könnte, alles andere als neu. Nicht nur der eine und der andere Rennologe, sondern erst Recht auch Historiker und Archäologen äussern mehr oder weniger starke Zweifel an Fédies Version – die letzteren sehr vernehmlich. Schliesslich sind trotz jahrzehntelanger intensiver, zuletzt schon verzweifelt anmutender Suche von der grossartigen Festungsstadt Rhedae keine Spuren in Rennes-le-Château zu entdecken. Das ist Fakt. Der archäologische Befund ist eindeutig negativ. Sollte Rennes-le-Château jedoch tatsächlich früher einmal eine solch imposante Stadt gewesen sein, wie sie Fédie beschrieben hat, dann kann sie nicht einfach spurlos verschwunden sein.
Warum die Wisigoten sich für den Bau einer Festung von so überragender Bedeutung, wie sie Rhedae zukam, ausgerechnet so einem Platz, wie Rennes-le-Château, ausgesucht haben sollten, konnte sich überdies Fédie selber nicht so Recht erklären.
„Welche Rolle konnte also eine Siedlung haben, die sich in einer Umgebung befand, wo es keinerlei Feinde gab? Als Kriegsplatz hatte sie keine grosse Nützlichkeit. Als Agglomeration von Einwohnern war sie weit davon entfernt die Annehmlichkeiten von Carcassone und Narbonne, ihren Nachbarstädten, zu bieten. Das war, vielleicht, während dieser ersten Phase ihrer Existenz, nur eine grosse Einrichtung, halb Camp halb Stadt, umgeben von primitiven Verteidigungsanlagen aus Balken und Pfählen wie dies in unseren Tagen in gewissen Gegenden von Amerika noch der Fall ist.“ (L. Fédie)
Halten wir also fest, dass RLC unter strategischen Geschtspunkten der ungeeignete Platz gewesen ist, für eine wichtige Festung – für eine Schlüsselstellung, wie sie Rhedae inne hatte, also erst Recht. Das soll sich, laut Fédie, jedoch später, nachdem die Wisigoten in der Schlacht von Vouillé, den Franken unterlagen und einen Teil ihres Toulousianischen Königreiches verloren, geändert haben.
„Der Fall der Westgotischen Dominanz in Gallien war die Morgendämmerung der Kraft von Rhedae. Plaziert auf einem wichtigen Gelände, welches das linke Flußufer der oberen Aude beherrschte und das das Tal der Salz dominierte, das der große Weg zu den Corbières war, erlangte diese Ortschaft unverzüglich eine große Wichtigkeit als Wächter der Wege und der Grenzen. Die Westgoten schätzten ihn als einen ihrer stärksten Kriegsplätze.“ (L.Fédie)
Mit diesem wackeligen Versuch, Rhedaes strategische Bedeutung wegen der geänderten Lage aufzuwerten, ist jedoch wenig geholfen. Rhedae war zwar nunmehr eine Festung, nahe an der Grenze, aber es hatte als Kriegsplatz absolut nichts an Nützlichkeit gewonnen. Das Rechte Ufer der Aude ist bedeutend weiter entfernt, als Fédie glauben machen will. Allein schon Coustaussa wäre für die beschriebene Aufgabe viel besser geeignet gewesen als RLC. Die „wichtigen Wege“ verliefen nach wie vor dort, wo sie vor der gotischen Niederlage schon verlaufen waren. Und dort, an eben jenen „wichtigen Wegen“, an der Via Domitia nämlich, an der Hauptschlagader des Verkehrs, genauer an einem wichtigen Knotenpunkt, hatten die Wisigoten ihre Festungsstadt Rhedae plaziert. Nicht im heutigen Rennes-le-Château, sondern im heutigen Fenouillet. Und dort, auf dem Burgberg von Fenouillet können die imposanten Überreste der alten wisigotischen Festungsstadt Rhedae besichtigt werden, die in Rennes-le-Château unauffindbar sind. Eine ehemalige Cité, welche ihrer grösseren Schwester, der Cité von Carcassonne, nicht wenig nachstand und die folglich von Theodulph, dem Abgesandten Karl des Grossen, mit Narbonne und Carcassonne in einem Atemzug genannt wurde.
In einer gewissen Weise aufschlussreich erscheint uns auch der Weg, auf dem die Wisigoten in die Corbières gelangten. Fédie ging offenbar davon aus, dass sich Gotengruppen, die vorwiegend aus dem Tross bestanden, sich vom Kampfverband, der sich zur Eroberung von Narbonne formierte, getrennt hatten, um, weiter südlich, von der Via Domitia aus, nach beiden Seiten ins Land vorzudringen.
„Nachdem sie das Hindernis Pyrenäen durch die Klus Passage, heute Pertus, überwunden hatten, eine Passage die auch Hannibal durchquert hatte und Pompeius eine seiner Trophäen dekoriert hatte, gelangten die Westgoten 404 bis zur Stadt Collioure, Caucoliberis, und eroberten das Roussilon, das seinerseits, einige Jahrhunderte vorher, einen unabhängige Region war mit dem Namen „Land der Sardons“.
Einmal Beherrscher des Roussillon, konnten sie die ganze Gallische Narbonnaise durchdringen. (erobern)
Einer (ein Weg), entlang der Litoralen (dem Flussufer entlang, a.d.Ü) gelegen, führte direkt nach Narbonne. Der andere, der gegen Westen ging, folgte dem Kurs der Gly, durchquerte in seiner ganzen Länge die Senke die umschlossen wird von der Kette der Corbières und den ersten Gegenfestungen der Pyrenäen und führt in die gebirgige Region dort, wo heute, mit dem Wald von Fanges, das Departement Aude beginnt.

Die erste dieser Passagen, stark verteidigt durch militärische Anlagen der Römer, bot einen starken Widerstand und konnte nicht bezwungen werden, ausser von einer kompakten und sehr gut organisierten Armee, die versuchen würde Narbonne direkt anzugreifen. Währenddem sie ihre besten Truppen auf diesen Punkt konzentrierten, versuchten die Westgoten auf eine andere Weise Gallien zu durchdringen ohne kompakte Massen einzusetzen. Diese Massen bildeten keine Armee, aber eine Menge (einen Haufen), mehr oder weniger eine Armee, reisend mit ihren Zelten, ihren Karren, ihren Haustieren. Diese menschliche Armee zog der Kette der Corbières entlang, die vom Cap de Leucate zum Pic de Bugarach führt und dann am Hochtal des Roussillon endet. Dort angekommen, teilten sie sich in zwei Haufen, deren einer folgte dem Tal von Boulzanne das nach Axat führt entlang der südlichen Seite des Waldes von Fanges, während der andere den Col von St.Louis überquerend und dem Tal Arèse folgend, von dem in alten Schriften häufig die Rede ist als Val Arida, sich nach Norden wandte gegenüber dieser Geländefalte wo später die Dörfer von Saint Louis und Saint Just entstanden und gelangten zu einer grossen Ebene wo das Camp entstand, das zur Stadt Rhedae wurde.“ (L.Fédie)
Die Goten müssen sich etwa bei Cauderiae (Caudiès-de-Fenouillet) an der Via Domitia, geteilt haben. Nicht nur in zwei, sondern sogar in drei Gruppen. Die erste Gruppe baute ihr Rheda (Wagenburg), das spätere Fenouillet, auf, eine zweite Gruppe muss hier den Weg nach Norden eingeschlagen aben, um ihrerseits bald darauf ein weiteres Rheda beim heutigen Rennes-le-Château zu gründen. Diese zweite Gruppe kann nicht im Boulzanne-Tal weitergezogen sein, wenn sie auf dem Weg über den St.-Louis-Pass zum Bugarach zog. Also muss es noch eine dritte Gruppe gegeben haben, die weiter zog, nach Axat.
Rennologen dürften bei der Erwähnung von Axat hellhörig werden. Abbé Henri Boudet lässt grüssen. Und richtig – wie beinahe nicht anders zu erwarten, erzählt man sich auch in der Gegend um Axat seit alten Zeiten die Legende vom Wisigotenschatz, den die Goten, gleich nach ihrer Ankunft, in einer unzugänglichen Schlucht, tief in einer Grotte, versteckt haben sollen.
Nach dieser kleinen Abschweifung zurück, zu der ersten Wisigotengruppe, die mit Rheda-Fenouillet (wie wir es mal nennen wollen, um es besser von Rheda-RLC zu unterscheiden) tatsächlich einen der strategisch und verkehrstechnisch wichtigsten Punkte im später entstehenden Razès besetzt hatten. Das sah übrigens auch Fédie kein bisschen anders.
Wenden wir uns nun dem Bild zu, welches Fédie sich von seinem Rheda-RLC machte.
„Die Stadt entwickelte sich auf einem Gelände, das man mit demjenigen vergleichen kann, das Carcassone mit seinen Boulevards in Anspruch nimmt.” (Fédie)
Auf Rheda-Fenouillet trifft Fédies Einschätzung tatsächlich zu, wie wir bereits weiter oben feststellten, wenn auch mit der Einschränkung, dass die Cité Rheda eine deutlich kleinere Fläche einnahm als Carcassonne.
“Es war umgeben von einer doppelten Mauer-Wall. Sie war westlich von Graben (Abgrund) umgeben, der den Zugang unmöglich machte.” (Fédie)
Ein doppelter Mauer-Wall umgab Rheda-Fenouillet und die Westflanke fällt steil ab in einen Abgrund.
“Im Norden war sie durch eine starke Rampe mit einer Festung verbunden, die den Platz des heutigen Dorfes einnahm und das man “Castrum Rhedarium” oder “Castrum de Rhedae” nannte.” (Fédie)
Auch die starke Rampe im Norden korrespondiert mit Fédies Beschreibung von Rhedae und vermutlich trug dieser Festungsbau tatsächlich den Namen “Castrum de Rhedae”.
“Die Ostseite, die die einzig zugängliche war, wandte sich Teil einer riesigen Ebene zu, die gute Tarnung bot, da ja noch heute der grösste Teil wildes Land ist, bedeckt mit Heide und Büschen.”
An der Stelle beschreibt Fédie natürlich die Geländebeschaffenheit in Rennes-le-Château. An Fenouillet grenzt keine weite Ebene.
“Eine zweite Festung, von der keine Reste mehr übrig blieben, erhob sich auf der Südseite, mit einer Distanz von ca. 5 Meter zum Wall. Diese Festung war auf einer Kuppe erbaut und aus rotem Marmor, der einen signifikanten (bedeutsamen, aussagekräftigen) Namen hat. Diese Kuppe die die umgebende Ebene, genannt “le Casteillas” dominiert, ein Wort aus dem Patois das grosses Schloss bedeudet. Sie ist von der Stadt getrennt, duch einen einen tiefen künstlichen Einschnitt im Gelände, durch den sich die Wasser des Baches ergiessen konnten der die Ebene von Ost nach West durchquert.” (Fédie)
Auch diese Beschreibung passt exakt auf Fenouillet, wo sich im Süden, gegenüber der Cité von Rhedae, auf einem Berg die wildromantische Ruine von Tour Sabarda in den Himmel reckt. Interessant erscheint uns hier die Erwähnung von rotem Marmor. Von diesem Stein ist in RLC bekanntlich nicht der kleinste Splitter zu finden, schon gar nicht auf der anderen Seite der Couleurs-Schlucht, auf dem Berg El Casteillas. Auf dem überdies absolut gar nichts darauf hinweist, dass sich dort jemals eine Befestigungsanlage befunden hätte. Vermutet wird jedoch, dass dort eventuell ein keltisches Oppidum existiert haben könnte. Doch fand sich bisher auch dafür kein Beleg. Nun ist zwar Tour Sabarda nicht aus rotem Marmor erbaut worden, doch die Innenwand des Turmes war mit rötlichen Steinplatten verkleidet, die heute noch grossflächig erhalten sind. Offenbar entnahm Fédie dieses Detail einem Alten Bericht, in dem eine Zitadelle von Rhedae erwähnt wird, die von den Wisigoten aus rotem Stein gebaut worden wäre.
Tour Sabarda ist weitgehend ursprünglich erhalten. Auf der alten französischen Karte Etat-Major ist die Burg als Tour-Visigoth eingetragen.
Mit rotem Stein ausgekleidet – Tour Sabarda
“Man kann sich ungefähr eine Idee von der Anzahl der Zivil- und Militär-Bevölkerung machen, die da eingeschlossen war in diese Stadt mit ihren zwei Zitadellen, durch eine lokale Überlieferung, die sagt, dass in Rhedae vierzehn Metzgereien existierten.” (Fédie)
Über diesen Punkt, die Existenz von vierzehn Metzgereien in Rheda-RLC wird heute noch mitunter erbittert gestritten. Denn an anderer Stelle nennt Fédie eine Bevölkerungszahl von sage und schreibe vierzigtausend Menschen, die in der Blütezeit von Rhedae in der Stadt gelebt haben sollen. Wir wollen diese Diskussion hier nicht aufnehmen, aber als ein weiteres Beispiel dafür hernehmen, zu welch abwegigen Vorstellungen ihn seine Phantasie verschiedentlich verleitete, wobei er sich immer wieder auch in Widersprüche verwickelte. Wenn er zB. Weiter oben sagt: “Die Ostseite, die die einzig zugängliche war...” und nur wenige Abschnitte weiter unten meint: “Die Zitadelle hatte zwei Eingänge…“
“Überreste von Amphoren und römische Medaillen die man gefunden hat auf verschiedenen Punkten des Geländes wo, gemäss uns, die Stadt gestanden hat, zeigen die westgotische Dominanz die die ganze Entwicklung während des VI. und VII. Jahrhunderts nahm. Die Reste von Bauten, gefunden an verschiedenen Stellen, und die Konfiguration des Bodens sind ebenfalls starke Hinweise um sich Rechenschaft zu geben, über die Dimensionen dieser wichtigen Stadt.” (Fédie)
Wir verweisen an der Stelle nochmals auf die negativen Resultate aller Untersuchungen aus jüngerer Zeit, denen die Behauptungen von Fédie gegenüber stehen. Hier ist, unserer Meinung nach, Wunschdenken zu erkennen.
„Die Tradition sagt, dass sich ein befestigtes Männerkloster in der Nähe des Stadteingangs auf der Ostseite der Stadt befand.“ (Fêdie)
Damit sind wir an einen offenbar überaus wichtigen Punkt angelangt. Auch diese Information muss Fédie aus alten Berichten gewonnen haben. Und über den Nachweis der Existenz eines Klosters innerhalb einer Festungsanlage, welche den Namen Rhedae trug, sollte sich doch, nach unserer Auffassung die „Cité Rhedae“ hinreichend zuverlässig feststellen lassen.
Im Verein mit den bisher bereits angeführten Übereinstimmungen, wagen wir also die sicherlich berechtigte Vermutung auszusprechen:
CHÂTEAU FENOUILLET IST DAS ECHTE RHEDA
Exakt dieses Bild bietet sich dem Betrachter, bei einem Blick, vom Tour Sabarda, hinüber, auf Fenouillet.
„Über die zweite Festung, die auf dem Höhenzug lag und den Namen Casteillas hatte, hat uns die Überlieferung nichts hinterlassen. Wir wissen nur, dass anlässlich der Zerstörung von Rhedae die Feinde sich zuerst Casteillas bemächtigten und von diesem erhöhten Punkt aus ihre Attacken auf die Stadt steuerten.“ (Fédie)
Möglicherweise liegt auch im Falle der Zerstörung von Rhedae-RLC durch die Spanier, im Jahr 1635, eine Übertragung authentischer Geschehnisse zugrunde, die sich in Wirklichkeit in der echten Cité-Rheda, in Fenouillet, ereigneten. Die in früheren Zeiten unüberwindliche Festung von Rheda-Fenouillet, wurde erobert von den Spaniern, die ihre Streitmacht im Tal des Agly versammelt hatte und von dort aus ihren vernichtenden Angriff auf Fenouillet führten. Das ehemalige Rheda, nicht mehr zu vergleichen mit der stolzen Festung, die es noch im 13.Jh. war, hatte dem Gegner nicht mehr viel entgegen zu setzten. Nach den erheblichen Zerstörungen durch die Calvinisten, im Jahr 1573, versäumte es der französische König, die Festung wieder instand setzen zu lassen. Fenouillet fiel und wurde von den Spaniern bis auf die Grundmauern zerstört. Danach ist die Festung von der Krone aufgegeben worden. Im Dorf siedelten sich einige Zeit später wieder Menschen an. Doch Château Fenouillet wurde in seinem trostlosen Zustand belassen.
Es ist gut möglich, dass die Spanier zuerst Tour Sabarda eingenommen hatten und von dort aus ihren Sturm auf die Festung leiteten und dass dies der Grund für ihren mangelnden Eifer bei der anschliessenden Zerstörungsorgie gewesen sein mag. Denn von dem kleinen Castell Sabarda blieb ungleich viel mehr stehen, als von der Festung gegenüber.
Müssen wir uns eigentlich noch darüber wundern, dass die Spanier, in der Festung Fenouillet, tatsächlich die Abteikirche Saint-Pierre, zusammen mit den anderen Bauten, beinahe restlos niederrissen?
Und sollte ihre Zerstörungswut eventuell wirklich durch die Hoffnung auf einen verborgenen Schatz entfacht worden sein?
Keine Gotenfestung ohne ohne den Schatz von Alarich…
Wie es sich gehört, für eine alte Burg, muss es selbstverständlich auch die Legende von einem ebenso gewaltigen wie geheimnisvollen Schatz geben, der irgendwo, tief im Berg verborgen liegt. Solch eine Legende erzählen die Leute im Fenouillèdes sich seit alten Zeiten auch von ihrer Burg. Genauer von einer der beiden Zitadellen – von Castel Fizel. In dem Falle handelt es sich jedoch um echte alte Überlieferung,
Der Besucher passiert, auf seinem Weg nach Fenouillet, von Caudies kommend, zuerst die Kirche Notre-Dame-de-Laval und bald darauf den Burgfelsen von Castel-Fizel. Das Château ist nur unter Schwierigkeiten zu erreichen, weil kaum ein Weg, der diesen Namen verdienen würde, zur Burg hinauf führt. Das hat seine Gründe, auf die wir noch zu sprechen kommen.
Von der einstmals starken Befestigung ist nicht mehr viel übrig geblieben. Doch bis weit ins Mittelalter hinein stand das Château in dem Ruf besonderer Stärke, dem es noch während der denkwürdigen Ereignisse in den Katharerkreuzzügen alle Ehre machte. Kommissare des französischen König hoben in ihrem Bericht die günstge strategische Lage hervor und berichteten dem Monarchen, dass Fizel eine alte Gründung der Wisigoten sei. Das Château fiel zusammen mit den anderen, zum Festungskomplex gehörenden Anlagen an die Krone. Von da an wurde Fizel nicht mehr als Bestandteil der Festung Fenouillet betrachtet, sondern als eigenständige Grenzfestung eingesetzt. Kontrolliert von einem gouverneur, kommandiert von vier Unteroffizieren. Erst im Verlauf des spanischen Eroberungszuges, im 17.Jh. fiel Castel-Fizel und wurde zusammen mit der Festung Fenouillet geschliffen. Danach ist das Château aufgegeben worden.
Grundriss von Castel-Fizel. Bei 4 befand sich vermutlich ein Brunnenschacht
Die Bedeutung, welche Castel-Fizel zu allen Zeiten seines Bestehens zukam sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Zu keiner Zeit war es lediglich nur ein Aussenposten von Fenouillede. Die Aufgabe der Burg bestand zwar in erster Linie darin, Fenouillet zu sichern. Es hätte aber gut und gerne auch als Herrensitz dienen können, wenn seine Lage isoliert gewesen wäre. Vermutlich hielten sich die Herren von Fenouillet sogar zeitweise im Castel-Fizel auf.
Während der maurischen Invasion, soll Fizel den Arabern als Stabsquartier gedient haben. Von hier aus hätten sie ihre Raubzüge im gesamten Razès, zumindest aber im Bereich der Grafschaft, organisiert. Wenn sie auch in religiösen Fragen überraschend tolerant erschienen, scheinen sie, der örtlichen Überlieferung nach, dennoch ein Terrorregime ausgeübt zu haben. Plünderung, Vergewaltigung und Verwüstungen sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Zahlreiche Dörfer seien entvölkert wurden, die Einwohner kamen in die Sklaverei.
Die Mauren auf Castel-Fizel hätten über enorme Reichtümer verfügt, will die Legende wissen, die sie nach ihrer Niederlage auf der Flucht nicht mitführen konnten. Diesen gewaltigen Schatz hätten sie in einem Höhlensystem unter dem Château versteckt, wo er noch heute schlummert.
In einer anderen Version dieser Schatzgeschichte, soll der Schatzes spanischer Herkunft sein – also wohl ein Schatz der Wisigoten. Unserer Meinung nach würde im letzteren Falle verschiedenes zusammen passen, besser jedenfalls, als in der Mauren-Version.
Wir werden uns in einem gesonderten Artikel eingehender mit dieser Schatzgeschichte befassen. Hier wollen wir lediglich den Gedanken äussern, dass ein wisigotisches Schatzdepot durchaus denkbar wäre. Mit Blick auf die überbordende Literatur über den Gotenschatz in Rennes-le-Château, darf man ruhig sagen, dass dort viele kluge Überlegungen angestellt worden sind, die letztlich aber nie ein Ergebnis zeitigten. Möglicherweise deshalb, weil ihnen immer derselbe Irrtum zugrunde lag, den wir jetzt hoffentlich ausräumen knnen. Man kann wohl mit einigem Recht davon ausgehen, dass die Goten nach ihrer Niederlage gegen die Franken ihren Königsschatz aus Carcassonne evakuierten, um ihn an einem sicheren Platz zu verwahren. Einen Teil des Schatzes schafften die Wisigoten nach Toledo, einen kleineren Teil in die sicherste Bastion nächst Carcassonne – nach Rhedae. Wir teilen diese Auffassung, nunmehr mit dem kleinen aber entscheidenden Unterschied, dass damit das „richtige“ Rhedae als neues Depot gewählt worden ist.
Uns wollte übrigens bisher schon nie so recht einleuchten, warum die Goten ihren Schatz nach RLC transportiert haben sollten. In schöner Regelmässigkeit liest sich das so: Nach der Niederlage der Goten, vor Vouillé und dem Tod ihres Königs Alarich II, erschien ihnen Carcassonne nicht mehr sicher genug, so dass sie ihren Schatz nach RLC in Sicherheit brachten. Die selben Autoren vergessen dann, gerade in dem Zusammenhang nie zu erwähnen, dass RLC nun eine Grenzfestung geworden war, die den Weg nach Carcassonne sichern sollte.
Einmal abgesehen davon, ob die Cité-Rhedae nun dort lag, wo heute RLC ist, oder nicht. Rhedae reichte an Stärke niemals an Carcassonne heran. Und da sollen die Goten ihre Schätze ausgerechnet an einen Platz gebracht haben, der sowieso weniger Schutz bot als Carcassonne und ausgerechnet auch noch unmittelbar an der ernsthaft bedrohten Grenze lag?
Wohl kaum. Aber die unüberwindliche Cité-Rheda-Fenouillede bot sich als die allererste Adresse für die sichere Einlagerung des Gotenschatzes an, und dieses Angebot werden die Goten auch angenommen haben. Nach Rheda-Fenouillet brachten sie jenen Teil des Königsschatzes, der als „Staatshaushalt“ im gotischen Septimanien – in Gotien – zur Verfügung stehen musste. Warum soll das Depot nicht im Burgfelsen von Castel-Fizel angelegt worden sein?
Zu denken wäre aber auch an den alten „Heiligen Schatz“ der Wisigoten. Doch das ist eine andere Geschichte.
Der Legende vom Schatz im Castel-Fizel gesteht auch die Historikerzunft einen wahren Kern zu, Erinnerungen an wirkliche Ereignisse. Sie wirkt so glaubhaft – und hier kommen wir auf unsere einleitenden Worte zurück – dass sich in der Vergangenheit schon wiederholt Schatzsucher daran machten, den trésor zu heben. Davon zeugen unübersehbar die Spuren alter Grabungen in der Ruine und am Berg. Um dergleichen Aktivitäten wenigstens zu erschweren, hat man es unterlassen, die Burg für Besucher zugänglich zu machen.
Rheda in der offiziellen Lesart
Der Amtsschimmel wiehert überall, in der Welt, auf die gleiche Weise. Doch da es in dem Schreiben konkret nur um die von der Strassenverwaltung angestrebte Vereinheitlichung von Ortsbeschilderung an öffentlichen Strassen und Plätzen geht, soll uns das Gewieher nicht weiter stören. Doch immerhin räumt das Strassenverkehrsamt, in seinem Schreiben an die Mairie von Fenouillet ein, dass der Ortsname Fenolheda im Mittelalter gebräuchlich gewesen ist. Es handelte sich dabei allerdings um den Namen des heutigen Dorfes Fenouillet, wogegen das Gebiet, welches die Grafschaft umfasste, Fenolhede gewesen sein dürfte – das heutige Fenouillèdes. Richtig erkannt wird in der Verwaltung desweiteren, dass die Schreibweise und Aussprache des alten Fenoh-Rheda im Laufe der Jahrhunderte einer évolution linguistique unterlag, die ua. auch für die Lautverschiebung des R von Rheda, zu einem L verantwortlich ist.

Denkt man an die linguistischen Verrenkungen, die bisher weitgehend hingenommen worden sind, um aus der gothischen Wurzel Rheda ein Rennes(-le-Château) zu zaubern und in Anbetracht der vielen anderen Schreibweisen von Rheda, wie Reddes, Rhedesium, Regnis, Rezae etc, erscheint der vergleichsweise winzige Schritt von Feno-Rheda zu Feno-Lheda, einfach nur logisch und höchstwahrscheinlich. Als dann das Latein aus der Mode gekommen und Französisch Landessprache geworden war, sprach man das „a“ am Ende von Fenolheda nicht mehr mit und übrig blieb das aktuelle Fenouillet.
Was könnte deutlicher für die Identität des Ortes sprechen, als sein Name und seine Bauwerke?
Schreiben des Strassenverkehrsamtes, an die Mairie von Fenouillet
Ein paar Worte in eigener Sache
Wir wollten hier die für viele Rennologen ketzerisch erscheinende Frage aufwerfen, ob das alte Rhedae nicht vielleicht an einem gänzlich anderen Platz gesucht werden müsste, weil sich in Rennes-le-Château nun mal bedauerlicherweise absolut keine Belege dafür beibringen lassen, dass die Wisigoten hier so eine starke Festungsstadt gebaut haben sollten. Aber wir wollten nicht bloss diese Frage erörtern, sondern endlich auch die bisher ausstehende schlüssige, überzeugende Antwort finden. Wir denken, dass uns das gelungen ist.
Da die Vaterschaft für die Rhedae-RLC-Theorie dem Historiker Louis Fédie zukommt, konnten wir nicht umhin, dem Meister ein paar kleine Sünden anzukreiden. Dabei könnte eventuell der Eindruck entstanden sein wir würden seine Arbeit gering schätzen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir schätzen und respektieren diesen grossartigen, unermüdlichen Heimatforscher, als einen exellenten Kenner von Land und Leuten und der Geschichte seiner occitanischen Heimat, die er über alles liebte. Deshalb erlauben wir uns die Freiheit, unsere eigene, hier vorliegende Arbeit, Louis Fédie zu widmen. Der uns unsere direkte Art, die Dinge beim Namen zu nennen, sicherlich nicht weiter verübelt hätte. Sicherlich wäre er selbst noch früher oder später auf seinen Irrtum aufmerksam geworden. Denn sein Hätschelkind, Rheda-RLC war eben eine Missgeburt. Aber was soll`s, jede Eule lobt nun einmal ihre Jungen.
Seit der Geburt des kleinen Bastards und dem Tod von Louis Fédie sind viele Jahrzehnte ins Land gegangen. In dem Zeitraum ist die Geschichtsforschung weiter voran geschritten, mit Ergebnissen, die letztlich und gerade auch Fédie dazu veranlasst hätten, von seiner Theorie abzurücken. Wir wollen den Meister also keinesfalls demontieren, sondern würdigen, indem wir seine Gedanken aufgreifend, die Dinge in einen neuen, unserer Meinung nach, richtigen Zusammenhang bringen.
Uns geht es eben so wenig darum, die phantastische, faszinierende Geschichte von Rennes-le-Château und dem Abbé Saunière zu ruinieren. Hartgesottene Rennologen, zu denen wir uns gerne selber zählen, kann nebenbei gesagt, sowieso schon längst nichts mehr erschüttern. An der Story ändert sich im Grunde genommen nicht viel, schon gar nichts, was dem ungehemmten Schweifen der Phantasien abträglich sein könnte.
Nach wie vor stellt sich die Frage nach der Quelle des plötzlichen Reichtums eines zuvor unbemittelten kleinen Landpfarrers. Das Gotenschatzdepot ist nun zwar in die Ferne gerückt. Aber nicht einmal so weit, dass es für Bérager Saunière unerreichbar gewesen wäre. Er hätte eben ein bisschen weiter wandern müssen, als beispielsweise bloss in die Couleurs-Schlucht. Und in seinem berühmten Rucksack hätte er das viele Gold und Geschmeide bestimmt auch nicht von Fenouillet bis nach RLC geschleppt.
Kurz und gut, nichts spricht letztlich dagegen, dass auch RLC noch immer ein Geheimnis bewahrt, dass es erst noch zu lüften gilt. Dass dort, in oder bei dem kleinen Dorf ein grosser Schatz darauf warte gehoben zu werden. Wenn es denn so sein soll, dann eben auch das Grab von Maria-Magdalena. Lassen wir es dort.
Unser Dank gilt an aller erster Stelle wieder Louis Fédie, auf dessen grandiose Arbeit wir uns bei unseren eigenen Forschungen stützen können. Die es uns ja eigentlich überhaupt erst ermöglichte, das echte Rhedae wieder zu entdecken. Wir bedanken uns aber auch bei unserem Freund Jürg Caluori dafür, dass er uns seine deutsche Übersetzung des Rhedae-Kapitels aus Fédies „Comté de Razès“ zur Verfügung stellte und die Verffentlichung genehmigte. Und bei unserem gotischen Freund Alain Sipra, für seine unvergleichlichen Kenntnisse und die bewundernswerte Arbeit, welche er bei der Erforschung der Wisigotengeschichte geleistet hat.
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Udo Vits
Nachtrag:
Fenouillèdes soll in der herkömmlichen etymologischen Deutung auf das lateinische Wort feno - Heu zurückgehen. Es wäre dann im Laufe der Zeit zu dem ähnlich klingenden französischen fenouil - Fenchel geworden. So daß die Gegend heute Fenouillèdes - Fenchelland heißt. Theoretisch ist das durchaus nachvollziehbar. Aber warum soll die Gegend ausgerechnet den Namen Fenchelland tragen? Sinn würde das nur machen, wenn hier auch auffallend viel Fenchel zu finden wäre. Doch in Wirklichkeit wächst in der Gegend nicht mehr Fenchel, als überall, im Languedoc.
Sollte der ursprüngliche Name von Fenouillet also Feno-Rheda gelautet haben, dann wäre dieser Name zusammengesetzt aus einem lateinischen und aus einem gotischen Wort - Wagenburg im Heu. Na ja...
Was aber, wenn die Goten ihrer Wagenburg lieber einen passenden Namen in ihrer eigenen Sprache gaben? Fehs-Rheda beispielsweise, könnten wir uns gut vorstellen. Fehs - für: anständig, respektabel.
Am wahrscheinslichsten erscheint und jedoch, daß die Rune Feho namensgebend gewesen sein könnte.
Quellen:
Louis Fédie, „Le Comté de Razès et le Diocèse d`Alet », Belisane
im Original und in der deutschen Übersetzung von Jürg Caluori
Jean Alain Sipra, „Rennes-le-Château, Du trésor des Wisigoths au secret de l`Abbé Saunière », Pegase 2007
Jean Alain Sipra, « La Cité de Chariot »
Heimatseite von Fenouillet : http://fenouilledes.free.fr/
Udo Vits, « Der Muezzin von Rennes-leChâteau“, Ancient Mail Verlag
Gerhard Köbler, "Gotisches Wörterbuch", auf Google-Books
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Wie widersprüchlich Fédie sich in diesem Punkt äusserte, wird noch deutlicher, wenn er an anderer Stelle, in dem selben Aufsatz behauptet: „Aus strategischer Sicht konnte die Platzierung eines befestigten Camps, bestimmt das Zentrum einer grossen Bevölkerung zu werden, nicht besser gewählt werden.“ Auch wenn der Autor mit dieser Einschätzung wohl die spätere vermeintliche Bedeutung seines Rhedae im Auge hatte, bleibt das ein Trugschluss, weil die Goten bei der „Platzierung eines befestigten Camps“ schliesslich nicht wissen konnten, dass aus dem strategisch bedeutungslosen Platz rund hundert Jahre darauf die angeblich wichtigste Bastion zum Schutz des Razès werden sollte.

