Vergesst Poussin
Eine meiner neuesten Exkursionen führte mich wieder mal in die Gorge de Bézis, wohin es michh immer wieder zieht und wo ich immer wieder Neues entdecke. Mein Weg in die Bézis-Schlucht führte an Pontils vorbei und das erinnert mich immer daran, daß ich noch ein paar Anmerkungen zu meinen Visiten beim Menhir machen wollte.
Da wäre zum einen der merkwürdige Umstand, daß Boudet in seinem Buch zwar die Megalithen der Region zum Thema macht, den Menhir - den einzigen echten Menhir weit und breit - jedoch mit keiner Silbe erwähnt. Warum wohl?
Offenbar weil er außerhalb von Boudets imaginärem Kromleck steht - dessen äußere Grenzen andererseits nicht so ganz deutlich umrissen sind. Er hätte den Menhir ja ohne weiteres mit einbeziehen können. Denn wer will denn schon genau wissen, ob der Kromleck Les Pontils nicht mit einschloß? Immerhin ist die Distanz von Pontils zum Pech Cardou, an dessen Ostflanke Boudet die alte "Zufahrt" in den Kromleck verortet, relativ gering.
Muß nichts zu bedeuten haben - kann aber auch bedeuten, daß Boudet absichtlich schwieg und dadurch erst recht auf den Stein aufmerksam machen wollte. Und nicht auf ein obskures Grabmal, welches zu seiner Zeit sowieso noch gar nicht existierte, weil es erst 1903 von Mr. Galibert angelegt worden ist. Ausgeführt von Mr. Bourel, einem Maurer aus RlB.
Dafür erwähnte kein anderer als unser Freund Louis Fédié den Peyro Dreyto. Er erwähnte ihn nicht bloß, nein, er schrieb sogar ein ganzes Kapitel über den Stein, in seinen "Historischen Studien über das Hoch-Razès" (1878). Und das bereits einige Monate bevor Boudet sein Amt in RlB antrat.
Er gibt die Maße des Menhir mit 2,85 m Höhe und den Umfang mit 2 m an. Der Menhir scheint in einer Steinpackung zu stehen. Am auffallendsten ist aber, daß Pferdehufe wenn sie beim Menhir auf den Boden treffen einen Klang verursachen, der typisch ist für einen darunter liegenden Hohlraum, ein Gewölbe. Dabei kann es sich eben so gut um einen natürliche Höhle handeln, wie um einen Keller bzw. ein unterirdisches Bauwerk. Möglicherweise eine Grabstelle.
Fédié ließ dieses Rätsel offenbar keine Ruhe, und so ging er in einem anderen Buch, 1880, "Grafschaft Razès und die Diözese von Alet" erneut der Frage nach. Dabei neigt er sichtlich zu der Annahme, daß es sich um ein Werk von Menschenhand handeln müsste.
Noch ein weiterer alter Bekannter, Eugen Stublein, schrieb in seiner "Beschreibung einer Reise in die Kurviertel von Limoux" (1877) über den Druidenstein bei Pontils. (Wohlgemerkt, nicht in dem Schwindelbüchlein "Pierres Gravées".)
Und schließlich erwähnte auch Delmas den Menhir in seiner "Geographie d´Aude", erschienen 1867, und wohl die älteste Erwähnung.
Kurz, der Menhir ist jedenfalls echt, und nicht erst wie das angebliche Arcadie-Grab, für die RlC-Story gefaket worden. Warum aber bauten Plantard und & Co. ihn denn eigentlich nicht mit in ihre Manipulationen ein - auch seltsam, oder?
Wäre noch zu erwähnen, daß der Menhir nicht auf dem alten Pariser Nullmeridian steht, wie es in den alten Veröffentlichungen noch zu lesen ist. Auf der IGN Top 25 2347 OT, leicht nachprüfbar. Peyro Dreyto steht ca. 325 m neben dem Meridian. Damals, also bis 1888, war jedoch der fatale Fehler Méchain noch nicht erkannt, der sich bei den frühen Vermessungen eingeschlichen hatte.
So viel ich gehört habe, soll beim Menhir schon mal gegraben worden sein. Leider erfolglos. Aber ich wundere mich darüber, daß dort noch niemand mit modernem Gerät, mit Magnetometer oder Georadar nach dem Hohlraum gesucht haben sollte.
Auch seltsam.
Sollten wir, Werner Betz, Sonja Ampsler und ich, etwa wirklich als Erste dem Menhir mit moderner Computertechnik zuleibe gerückt sein? Auch wenn Werners Scans nicht der Beschaffenheit des Untergrundes galten, sondern bestimmten energetischen Verhältnissen, könnten sie jedoch völlig neue Perspektiven, hinsichtlich Zweck und Bedeutung sowohl des Menhir, als auch allgemein der Örtlichkeit Les Pontils, eröffnen. (ausführlich dazu: http://schatzsucher.over-blog.de/2016/07/die-quelle-der-kraft.html)
Was haben aber der Menhir bei Les Pontils und die Hirten von Arcadien miteinander zu schaffen?
Nun, sie haben ihren jeweiligen Platz in der RLC-Saga - das Grabmal offenbar zu unrecht, der Menhir leider nur auf einem der hinteren Plätze. Doch jetzt, nachdem der Menhir von dem Dickicht, welches ihn bis vor kurzem noch einhüllte, befreit worden ist, ergibt sich überraschend ein neues eindrucksvolles Bild. Ganz unvermittelt drängt sich dem Betrachter geradezu eine mehr als nur nahe liegende Frage auf: Soll der Menhir vielleicht tatsächlich als "Wegweiser" in die Gorge de Bézis gedacht sein? - auf die namhafte Rennologen unlängst, wenn auch von anderen Ansätzen her, aufmerksam geworden sind.
Überdies scheint er zugleich auch als Markierung, auf der von Werner Betz ausgemessenen Energielinie zu stehe, die schnurgerade vom Menhir bei Saint-Salvayre, über die dortige Kapelle, den Pontils-Menhir, exakt zur Salsquelle, verläuft.
Quellen:
Henri Boudet: "Der wahre keltische Sprache oder Cromleck Rennes-les-Bains 1886.
Louis Fédié: "Historische Studie über die Obere Razes" -1878.
Louis Fédié: "Die Grafschaft Razes und der Diözese von Alet" 1880.
Eugene Stüblein: "Beschreibung einer Reise in die Kurviertel von Limoux" 1877.
J. Delmas: "Géographie de l'Aude" - 1867.
Patrick Ferté: "Arsene Lupine höheren unbekannt" 1992.
Bulletins SESA: T8 (1896) - T11 (1900) - T36 (1926).
Bulletin der Gesellschaft der Wissenschaften und Künste von Carcassonne T. VII (1894-1895).
http://schatzsucher.over-blog.de/2016/07/die-quelle-der-kraft.html

