Les Encadados (3) Eine falsche Fährte...?
Irren ist menschlich und im RLC-Umfeld beinahe üblich. Das mussten wir ein weiteres Mal feststellen, als wir unsere Recherchen zu dem Minenkomplex „Les Encadados“, in Couiza; fortführten.
Unser Irrtum bestand darin, dass wir die Quellenlage im Zusammenhang mit der Encadado für gesichert hielten. So, wie ausnahmslos alle Rennologen, gingen wir bisher davon aus, dass wir, gestützt auf die alten Berichte der regelmässig zitierten Lamoignon de Basville, Catel, Gensanne, Barente und César d´Arcons, über zuverlässige Hinweise verfügen würden, anhand derer auf die Existenz einer alten Goldmine bei Blanchefort geschlossen werden kann. Denn:
„Bei unseren Recherchen stiessen wir immer wieder auf den Namen eines Mannes – César d’Arcons. Eines französischen Bergbauingenieurs, den der französische König Louis XIV mit dem Auftrag ins Languedoc geschickt hatte, die Abbauwürdigkeit alter Bergwerke zu untersuchen. Sein Bericht, aus dem Jahre 1668, stellt so etwas wie einen der Hauptausgangspunkte für so ziemlich alle Jäger nach den Schätzen von Rennes-le-Château dar. Sicherlich nicht zu Unrecht, zumal sein Bericht durch zahlreiche weitere, unverdächtige Quellen gestützt wird.“
Aber eben leider doch zu Unrecht! – weil d´Arcons Bericht sich nachweislich nicht auf die Mine Encadado in Couzia bezieht.
Der Ingenieur untersuchte seinerzeit das ehemalige Bergbauzentrum bei Palairac. Einstmals Mittelpunkt de wichtigsten Berwerksregion in den Corbieres. Bergbauingenieure des 19. Jh. registrierten allein in der näheren Umgebung von Palairac zu der Zeit immer noch ca. 300 Stellen an denen Erz gefördert worden ist. Die meisten dieser Minen befinden sich auf den Gemeindegebieten von Las-Serremijanes und Lacamp finden sich aber auch noch zahlreich bei Villerouge, Talairan, Maisons, Peyrecouverte und westlich, bei Maisons und Dajevan. Peyrecouverte verzeichnete damals noch Konzessionen so bedeutender Minen, wie
La Caune des Causes et de Monthaut
L`Abeilla
La Busole
L`Aiguille
La Canal
Le Monthaut, ein 599m hoher Berg, gab der Mine ihren Namen. Auf der aktuellen IGN-Karte ist er als Montauch verzeichnet. In früherer Zeit hiess er jedoch „Mont d`Òr“ – der Goldberg.
Und tatsächlich enthielten Gesteinsproben, welche über den Zeitraum vom 19.Jh. bis 1963 aus den Minen „La Busole“ und „L`Aiguille“ entnommen worden sind, Gold in einem Anteil von 0,04 g/t bis zu 32 g/t. Zum Vergleich, in der Golgmine von Salsigne waren bisher über den Gesamtzeitraum des Betriebes im Maximum 8 g/t registriert worden. In der Mine „Le Canal“ sprechen Anzeichen ebenfalls für das Vorhandensein von Gold. Und genau diesen Umstand erwähnte bereits d`Arcons in seinem Bericht, den er nach dem Besuch in den genannten Minen abfasste.
Stolleneingang Mine "La Aiguille"
Gérard de Sède, der den d´Arcons-Bericht in die Rennologie einführte, hat den Bericht entweder nicht aufmerksam genug gelesen oder er hat ihn, was wir zu seinen Gunsten nicht annehmen wollen, kreativ interpretiert. Arcons beschrieb die Mine La Bousole, aus der in erster Linie Antimon und Blei gefördert wurden, aber auch Silber und Gold in geringen Mengen. In der Zeit, zwischen Beginn des 19. Jh. und dem WK II waren die höchsten Fördermengen zu verzeichnen. Über das Alter der Mine lässt sich lediglich sagen, dass hier schon seit vielen Jahrhunderten Bodenschätze abgebaut worden sind. Es ist gut möglich, dass Römer und Kelten bereits diese Mine betrieben. Das gilt auch für zahlreiche andere Minen in dem Gebiet, insbesondere für die großen und bedeutendsten Bergwerksanlagen. Ab 1839 nahm man direkt bei der Mine eine Aufbereitungsanlage in Betrieb. Zuvor transportierte man das Erz mit Maultierfuhrwerken bis nach Carcassonne. 1939 entstanden weitere Aufbereitungsanlagen für Antimon für La Bousole und Las Corbos und eine Anlage bei La Canal. Erst 1989 lief die Konzession des letzten Betreibers der Minen, Mr Hyvert, aus und die Förderung wurde eingestellt. Das Grubenwasser aus La Canal leitete man in die Wasserversorgung von Palairac ein, Stollen Schächte ein Eingänge wurden gesichert und die Bauwerke bei der Grube abgerissen.
Schacht von "La Bousole"
La Bousole befindet sich nahe beim Col de la Bousole, ungefähr auf halben Wege des Pfades, der zwischen dem Col de Couisse und dem Col de Férreol, verläuft.
Gefluteter Stollenabschnitt in "L´Aiguille"
Ein Stück entfernt, in Richtung La Canal, liegt die nächste bedeutende Silber- und Bleimine, L´Aiguille. Paradebeispiel für die typischen Bergwerksanlagen in der Region. In einen vertikalen grossen Förderschacht führt von der Seite her ein abschüssiger Stollen zu den Abbaustellen. Das feine Gespinst der Silberfäden bedeckt an manchen Stellen heute noch die Felswände in der Mine. Immer wieder werden Überlegungen angestellt, ob die Mine nicht eventuell doch wieder in Betrieb genommen werden sollte. Seit 1982 ist der senkrechte Schacht mit einer Betonplatte verschlossen und der seitliche Stollen ist verfüllt worden.
Eingang in die Mine "La Canal" (Palairac)
Folgt man dem eingeschlagenen Weg weiter, gelangt man schließlich, im Talgrund, am Fuß des Col de Couisse, zu der Mine La Canal – oder mit ihrem anderen Namen La Couize. Reichste und größte Kupfer- und Silberbleimine der Corbieres (3000 g/t bis 4000 g/t). Nachweislich aufgeschlossen in der Antike und seit dieser Zeit, mit Unterbrechungen, ausgebeutet bis in die 80er Jahre des vorigen Jh. Der Grubeningenieur Esparseil meldete 1920 den Fund von Amphorenscherben bei der Mine. Römer oder vielleicht Mauren trieben die ersten Schächte und Tunnel vor.
Hauptstollen von "La Canal" (Palairac)
César d´Arcons notierte in seinem Bericht das Vorhandensein von hydraulischen Anlagen in den Minen von Peyrecouverte und von Dajevan, ohne allerdings La Canal namentlich in dem Zusammenhang zu erwähnen. So sei mit dem aus der Mine abfließenden Wasser u.a. eine Mühle angetrieben worden. Das Wasser fand auch Verwendung an den Öfen, in der Schwemme usw. Daran, daß er diese Wasserkunst in La Canal besichtigte, kann kaum ein Zweifel bestehen. Nur hier waren die Voraussetzungen für die Installation solcher Anlagen gegeben.
Wir verzichten auf ausführlichere Beschreibungen der Minen in dem Revier, so interessant uns dieses Thema auch erscheint, und werden vielleicht noch gesondert in einem Artikel darauf eingehen. Hier soll lediglich dargelegt werden, wie und weshalb der d´Arcons-Bericht fälschlicherweise – ursprünglich von Gérard de Sède – in seine RLC-Story verwoben worden ist.
Wie aber konnte Gérard de Sède ein solch fataler Irrtum unterlaufen?
Vor allen Dingen deshalb, weil d´Arcons in seinem Bericht Ortsnamen und Bezeichnungen verwendete, die sowohl in der Umgebung von Palairac, als auch in der Umgebung von RLC, gleich- bzw. ähnlich lautend sind. Da sich im Verlauf von Jahrhunderten überdies Schreibweise und Aussprache solcher Ortsbezeichnungen oft mehrfach änderten, sind Verwechslungen sehr leicht möglich.
So befindet sich die Palairac-Mine „La Canal“, wie wir bereits erwähnten, zu Füßen eines Berges, der auf aktuellen IGN-Karten (IGN 2447 OT) als Col de Couise bezeichnet wird. Gebräuchlich sind aber auch heute noch Col de Couisse, Couize – oder auch Col de Couiza. Zu Lebzeiten d´Arcons war „Couiza“ gebräuchlich und so erscheint der Name auch in seinem Bericht, der stellenweise auch verwirrende Passagen enthält. Da der Hauptstollen von der Gipsmine in Couiza, unterhalb von RLC, ebenfalls La Canal genannt wurde, glaubte de Sède offenbar, dass d´Arcons in seinem Bericht die Mine bei RLC beschrieb. Zumal es noch weitere Ähnlichkeiten gibt. Etwas weiter NO grenzt das Bergbaurevier von Albas an das von Palairac. D´Arcons besuchte beide Reviere und auch das von Dajevan und über seiner Recherchen in allen drei Zentren schrieb er seinen Bericht, in dem nicht immer klar erkennbar ist, welche Mine er konkret meint, oder wo sie sich genau befindet. Zudem unterliefen ihm selbst verschiedene Fehler, indem er beispielsweise Minen, welche auf dem Gebiet von Palairac liegen, dem Revier von Dajevan zuordnete. Auf diesem Wege würde sich erklären, worauf sich Gérad de Sèdes Überlegungen gründeten, als er eine „Mine de Albezun“ in der Umgebung von RLC zu orten versuchte. Müßig, wie wir jetzt wissen. César d`Arcons meinte eine Mine bei Albas. Dort existiert wiederum tatsächlich eine Mine in einem „Roque Blanche“... Auf der Ostseite von La Canal lädt ein Berg mit dem Namen „Peyre Picade“ zu weiteren Verwechslungen ein etc.

Auf den Bericht des Ingenieurs gründen sich, beginnend mit G. de Sèdes Spekulationen über: Albas – Albezun – Albedunum = Blanchefort oder Le Bézu = Tempelritter, bekanntlich nicht wenige Theorien und Mutmaßungen, von denen wir uns nun freilich verabschieden müssen.
César d'Arçon décrit une mine de plomb argentifère qu'il dit être sur le territoire de Davejean. Personne n'en est sûr, mais c'est possible. Il se peut aussi que ce soit l'Aiguille. En effet, il décrit les mines de plomb argentifère de Couize en les situant correctement : "... à Paleyrac, où les grands travaux qu'on y a fait autrefois dans vn long valon nommé le champ des mines ...", mais en précisant :"...où Monfieur de Davejan à qui le fond en appartient ...". Mahul (Cartulaire et archives des communes de l'ancien diocèse et de l'arrondissement administratif de Carcassonne, 1859) rapporte, lui, à son chapitre sur Davejean ces deux descriptions de d'Arçons, en disant qu'elles appartiennent toutes deux à Davejean. C'est très inexact, tout au moins pour la seconde. Couize, donc les mines d'argent associées, La Canal, l'Aiguille, etc. a toujours été sur le territoire de Palairac (arrière-fief de celui-ci). Toutefois, du temps de César d'Arçon, qui l'avait bien compris, la Seigneurie de Couize était tenue par la famille de Barre, de Davejean, anoblie par Louis XIV en 1686 (Jean-François de Barre, chevalier de l'Ordre de Saint Lazare), qui l'avait achetée à l'Abbaye de Lagrasse 1ère moitié du XVIIème. André II de Barre était donc propriétaire du terrain de la mine. Mahul aurait dû consulter le cadastre de 1825 pour se rendre compte de son erreur, peu pardonable pour un élu du Département.
Idem pour La Bousole que certains voient à Maisons : en limite certes, elle se trouve bien sur Palairac, le puit et la descenderie notamment. Plus grave, d'autres situent aussi l'Aiguille ou Lacanal sur Maisons, ou encore le Monthaut sur Villerouge (!) : une simple consultation d'une carte IGN ou du cadastre permet d'éviter ce genre d'erreurs.
Mais il est vrai que quelques installations de 1839 de la Bousole pouvaient être sur Maisons (la haldes principale et peut-être l'entrée du travers-banc). La mine doit donc être considérée comme appartenant aux deux communes (la concession de la Bousole occupait 37 Ha répartis sur les deux communes). Il en est ainsi de toutes les mines limitrophes (la Caune des Causses, par ex, servait de limite de séparation entre Palairac, Félines et Davejean). Au moyen-âge la seigneurie minière du Termenes, basée à Palairac, regroupait , outre Palairac, les sites miniers de plusieurs villages voisins. Rendons donc à Palairac la place qui lui appartient ...
asmodeus
Quelle: Association Mines en Corbières
Fotos: Michel Rzepecki