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Castel-Fizel, die vergessene Festung

22. Juni 2012, 17:58pm

Veröffentlicht von asmodeus

 

Chateau Fizel (5)klein

Castel-Fizel, Blick von Notre-Dame-de-Laval auf den Adlerhorst...

Geschichte

Ähnlich, wie Château Durfort, fristet das Château Fizel ein Schattendasein unter den namhaften „Katharerfestungen“ im Languedoc. Und genau wie im Falle von Durfort, völlig zu Unrecht. Zwar scheint es im Verlauf der Katharerkreuzzüge tatsächlich weitaus weniger in Mitleidenschaft gezogen worden sein, wie viele andere Burgen, in denen die Ketzer Schutz suchten. Doch ist es gut möglich, dass die gewaltige Befestigungsanlage von Château Saint-Peyre sich – vielleicht sogar als die einzige – behaupten konnte. Dass Simon de Montforts Heer  an diesem Platz scheiterte und dass die Geschichtsschreibung der Sieger später lieber das Mäntelchen des Schweigens ausbreitete, über einen Ort und ein Geschehen, welches man lieber vergessen wollte. Immerhin muss Fenouillet eine starke Bastion des Katharertums gewesen sein, da die Gegend, laut Inquisitionsakten, einen eigenen Diakon hatte. Erst nach der Schlacht von Muret, in der Viscount von Fenouillet auf Seiten der Katharer stand, führte deren Niederlage auch für den Vizegrafen von Fenouillet zum Verlust seiner Güter.

Chateau Fizel (79)klein

Die Ruinen von Tour Sabarda...

Dieser Viscount de Fenouillet entstammte allerdings gewissermassen einer zweiten Herren-Dynastie, der ein anderes Geschlecht auf Saint-Peyre vorangegangen war.

Eine erste Spur des ursprünglichen Geschlechts derer von Fenouillede findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 904. Zu der Zeit gehörte Fenouillèdes den katalanischen Grafen von Besalu. Im Jahr 1020 ging Fenouillèdes infolge Erbschaft über an einen Sohn des Grafen. Noch im 11.Jh. erging ein Privileg, welches es gestattete, innerhalb des Château eine Abtei einzurichten, was wohl auch geschehen sein mag. Denn unter den Ruinen der grossen Festung sind immer noch die Überreste einer stattlichen Kirche auszumachen.

Im Jahr 1086 ging die Burg Fenouillet als Schenkung an einen gewissen Bernard Torronis, und war dann über Jahre hinweg verwickelt in verworrene Händel und Kämpfe mit den Grafen von Cerdagne und den Herren von Barcelona, bis König Alfonso von Aragon, im Jahr 1193, ein Lehensverhältnis des Viscount von Fenouillet zu Ramon Roger, dem Grafen von Foix (dem Neffen des Königs) bestätigte, welches von da an Bestand hatte.

Gegen Ende des 12. Jh. starb der letzte Viscount von Fenouillet, Arnaud, ohne einen männlichen Nachfolger. Er hinterliess aber eine schwangere Frau, die ein Mädchen zur Welt brachte. Diese Tochter – Ava – heiratete später einen Angehörigen der Familie de Saissac, das Herrengeschlecht der heutigen Region Aude, woraufhin ihr Ehemann den Titel des Grafen von Fenouillet annahm und somit so etwas wie eine zweite Dynastie begründete.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1209 belegt, dass Avas Sohn, Pierre de Fenouillet Saissac, sich als Gefolgsmann von Aymeri de Narbonne erklärt. Zeitlich also zu Beginn der Katharerkreuzzüge, in derer Verlauf die Herren von Fenouillet, wie die meisten Familien Occitaniens auf Seiten der Katharer stehen. Das Fenouillèdes wurde zu einem Zentrum des Widerstandes gegen das Heer der Kreuzfahrer, mit Verbindungen zu den Faidit in den Corbières, auf dem Sault-Plateau und zum Montségur. Als Pierre de Fenouillet 1245 starb – er wurde in der Templerkomturei von Mas Deu bestattet –  folgte ihm sein Sohn als Viscount de Fenouillet und dieser wurde, wie bereits erwähnt, nach der Schlacht von Muret enteignet. Seine Mutter Ava, liessen die Inquisitoren aus ihrem Grab exhumieren und irgendwo, in ungeweihter Erde verscharren. Aufschlussreich ist, dass das Grab ihres Gatten, im Schutz der Tempelritter unangetastet blieb.

Die Nachkommen versuchten über Jahrhunderte hinweg erfolglos wieder in den Besitz ihrer Güter zu kommen. Als Ersatz wurde ihnen, im 13.Jh., die Grafschaft Canet zugesprochen, zu der später noch die Herrschaft über die Ille-sur-Tet hinzu kam.

Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass der Vater der Ehefrau von Pere de Fenouillet, im Jahr 1357, als Gefolgsmann von Ramon de Perillos von sich Reden machte.

Die Festung

Erbaut im Gipfelbereich eines 530 Meter hohen Berges, am Zusammenfluss von zwei Flüssen, umgeben von hohen Bergen und engen und tiefen Schluchten, war die Festung leicht zu verteidigen, ja sie galt als uneinnehmbar (vor dem Aufkommen von Feuerwaffen). Die Anlage ähnelt denen von Minerve und Cabaret. Zwei starke Mauerringe schlossen das Château Saint-Peyre und die gesamte Ortschaft. ein.  Dorf (eigentlich eine kleine Stadt) und Burg bildeten eine Einheit. Der gesamte Berg war praktisch eine einzige Festung mit der Residenz der Viscounts, welche ihrerseits nochmals von zwei Seiten her von zwei weiteren, kleinen Château gedeckt wurde.

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Tour Sabarda, als Beobchtungsposten, auf der westlichen Seite

 

Die Position von Château Fenouillède – wie der Name der Festung ursprünglich gewesen sein dürfte – wurde sicherlich mit Bedacht an einem Punkt gewählt, an dem sich mehrere sehr wichtige alte Verkehrswege kreuzten. Von hier aus liessen sich die Strassen zum Col d`Aigues-Bonnes und nach Puilaurens, aber auch die zum Col de Fosse als Zugang zum Fenouillèdes, zum Col de Tulla in Richtung Conflent, und der Weg zum Saint-Louis-Pass ins Audetal, kontrollieren. Es handelte sich also um eine ausgesprochene Schlüsselposition von grosser strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Dies aber nicht erst seit dem Mittelalter, sondern zweifellos bereits während der römischen Epoche. Deshalb darf man mit einigem Recht davon ausgehen, dass sich an der Stelle schon lange Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung bereits eine entsprechende Anlage befunden hat – und nicht erst im 12.Jh., wie es heißt, dort eine Burg gebaut wurde.

Fizel Plan 1

 

Oben rechts, auf dem Plan, bei Nr.6,  ist die Lage der alten Kirche erkennbar. Diese Kirche, scheint dem Heiligen Petrus geweiht gewesen zu sein, nannte sich demzufolge Église Saint-Pierre. Der Name der Kirche ist später auf das Château übergegangen. Vermutlich nachdem die Viscounts de Fénouillet ihren Besitz verloren hatten. Lediglich das Dorf führte den Namen Fénouillet weiter.

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Reste der ehemaligen Abteikirche Saint-Pierre...

Möglicherweise ist das Château sogar eine zeitlang ein Kloster gewesen, da ja seit dem 11.Jh. eine Abteikirche, eben Saint-Pierre, integraler Bestandteil der Burg war.

Und das ist längst nicht die einzige Besonderheit des Château Fénouillet gewesen. So erscheint erstmals im Jahr 1258 Castel-Fizel namentlich in zwischen Frankreich und Aragon geschlossenen Vertrag von Corbeil, und dem Vertrag ist zu entnehmen, dass die Burg von da vom französischen König unmittelbar kontrolliert wurde. Sie wurde nicht, wie die anderen Grenzfestungen verstärkt und ausgebaut, sondern im alten Bauzustand belassen, so dass Château Saint-Peyre heute als eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse oocitanischer Festungsbauweise angesehen wird.

Forschungsergebnisse

Im Jahr 1994 fasste die kleine Gemeinde von Fénouillet (67 Einwohner) den bewundernswerten Beschluß, eine Studie über die mögliche historische, archäologische und architektonische Bedeutung des Ortes durchzuführen. Frühere Untersuchungen des DRAC waren in einem eher Bescheidenen Umfang angestellt worden und hatten nur entsprechend magere Ergebnisse gezeitigt. Andere, topographische und historische Studien hatten jedoch bereits Hinweise auf eine bedeutende Vergangenheit geliefert.

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Trassen der Grabungen sind hute noch zu besichtigen...

In den Jahren, von 1996 bis 1999, erfolgten nunmehr eine ganze Reihe von archäologischen Untersuchungen, in deren Verlauf es sich die enorme geschichtswissenschaftliche Bedeutung des Platzes herausstellte. Anschließend, ab dem Jahr 2000, folgte eine größere Grabungskampagne, über drei Jahre hinweg. Parallel dazu setzten Umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der Buranlage ein. Archäologen und Bauarbeiter und die Einwohner von Fénouillet bewegten zehntausende Kubikmeter Schutt und Steine. Dabei kamen, statt schwerer Baumaschinen, Esel zum Einsatz, was erhebliche Kosten einsparte und der Rekonstruierung traditioneller Arbeitsabläufe diente.

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Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten sind im Frühjahr 2004 veröffentlicht worden. Sie erlauben im wesentlichen den Schluß, dass die ältesten Teile, der vorhandenen Bauten, vermutlich aus dem 10. oder 11.Jh. stammen. Vor allen Dingen aber, dass die Burg nicht so, wie ihre berühmteren Nachbarn Peyrepertuse und Puilaurens, den französischen Königen  als Grenzbastion wichtig gewesen ist, sondern ausgemustert wurde und in dem Zustand verblieb, in dem sie sich am Ende des Katharerkreuzzuges befand.  

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asmodeus

 

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