Ist der Schatz von Rhedae zum Greifen nahe?
Kaum ein Mensch in St.-Paul-de-Fenouillet mochte bis vor kurzem ernstlich daran glauben, dass innerhalb der Mauern der alten Stadt an der Via Domitia ein großer Schatz auf seine Entdeckung warten könnte. Inzwischen denkt man ganz anders darüber – nicht nur in der kleinen Stadt. Nicht nur auf Schatzsucher, Liebhaber von Antiquitäten und Mythomanen übt St.-Paul-de-Fenouillet zunehmende Anziehungskraft aus.
In den Redaktionsstuben vom „L´Independant“ lässt man der Imagination freien Lauf, stellt gewisse Vorbehalte einfach in die Ecke und nimmt sich Zeit, für eine Kleine Reise durch das Land der Katharer, abseits der ausgetretenen Pfade. Man folgt einer Route, die leicht auch Abbé Saunière hätte einschlagen können. Vorbei, am berühmten Pech de Bugarach, vorbei an Camps-sur-l´Agly, durch die geheimnisumwitterte Gorge de Galamus, hin zum ehemaligen Kloster, dem Chapitre von Saint-Paul.
Abwegig erscheint solch ein Szenario keineswegs. Und Verbindungen des Curé, nach Saint-Paul, sind unseres Wissens belegt. Auf jeden Fall führte ihn sein Weg, nach Perpignan, welches er gelegentlich gewiß aufsuchte, auch durch Saint-Paul.
Doch was ist es, dass Saint-Paul-de-Fenouillet plötzlich in den Brennpunkt von Rennologen, Schatzsuchern und Archäologen rückte?
Alles begann mit einem Hauskauf, im Jahr 2008. Nicht irgend ein Haus, sondern ein Gebäude, bei dem es sich um eine Hälfte desjenigen Bauwerkes handelt, dass früher das Hauptgebäude mit der Stiftskirche, aus dem frühen 14.Jh., des ehemaligen „Chapitre“ von Saint-Paul-de-Fenouillet gewesen ist.
Bereits in den 70er Jahren waren bei Restaurierungsarbeiten unter dicken Putzschichten die Überreste eines bemerkenswerten mittelalterlichen Fresko zum Vorschein gekommen. Franck Amiel, der glückliche Entdecker, informierte umgehend die DRAC. Mit viel Mühe und Sorgfalt konnte das religiöse Kunstwerk erhalten und teilweise auch rekonstruiert werden. Seit dem Jahr 2009 zählt das Fresko zum Weltkulturerbe und steht unter Denkmalschutz.
Doch nicht nur das. Franck Amiel berichtet, dass sich schon bald nach der Freilegung des Freskos mehr und mehr Bewunderer, aber auch immer mehr Gläubige einfanden, die ihm von der besonderen Magie erzählten, die von dem Bildnis auszugehen scheint. Daß die Darstellung des Christus und beinahe aller biblischen Figuren, welche unschwer erkennbar sind, eine ganz eigentümliche Wirkung auf den Betrachter ausübt, bestätigen selbst Archäologen und Restauratoren. Man hat den Eindruck, als ob das in Blau und Ocker gemalte Bildnis, in dem düsteren fast fensterlosen Raum, aus sich selbst heraus strahlen würde.
Franck Amiel äußert sich nur zurückhaltend und verlegen über die spirituelle Kraft des alten Bildes. Lieber spricht er über seine Entdeckungen und Funde, im Verlauf der Sanierungsarbeiten an seinem Haus. Verborgen im Mauerwerk und in unzugänglichen Winkeln förderte er nach und nach Skulpturen, antike Keramik, menschliche Knochen, einen byzantinischen Leuchter, eine Medaille aus napoleonischer Zeit und andere Kostbarkeiten aus den unterschiedlichsten Geschichtsepochen zu Tage. Seine Funde stimmen ihn so zuversichtlich, dass er nicht daran zweifelt, eines Tages einen großen Schatz in seinem Haus zu finden. Zu viele Legenden erzählen von verborgenen Schätzen in dem alten Kloster. Alte Urkunden enthalten deutliche Hinweise auf unterirdische Kammern und Depots, vor allen Dingen im Bereich der alten Schule, die von den Mönchen als Zufluchtsstätte befestigt und ausgebaut wurde. Möglicherweise versehen, mit einem geheimen Fluchtweg, oder verbunden mit verborgenen und besonders gesicherten Räumen im Untergrund. Hier könnten während der Religionskriege oder während der Revolution gut und gerne die Schätze des Klosters, oder die Wertsachen katalanischer Flüchtlinge, aber auch noch ganz andere wertvolle Sachen in Sicherheit gebracht worden sein.
Auf dem Dachboden „versteckt, im Dachstuhl“ fand Franck Amiel viele originale Dokumente aus dem 18./19.Jh. Sie geben Aufschluß über die große Geschichte von St.-Paul-de-Fenouillet und über das Chapitre.
Aufschluß über weitere mögliche Fundstellen oder verborgene Hohlräume erwarteten der Hauseigentümer und die Behörden vom Einsatz moderner Suchtechnik, im Februar dieses Jahres. Über die Resultate dieser Untersuchungen wird verständlicherweise bis auf Weiteres Stillschweigen bewahrt.
Wenn es der Redaktion von „Líndependant“ statthaft erscheint, darüber nach zu denken, ob die Quelle für Bérangere Saunières Reichtum nicht eventuell in im Chapitre von Saint-Paul sprudelte, dann erscheint es uns nur recht und billig, von hier aus eine mögliche Verbindung nach Rheda-Fenouillet anzunehmen. Denn diese Möglichkeit ist tatsächlich mehr als nahe liegend.
Wir verweisen dazu auf unsere Artikel:
Die Wiederentdeckung von Rhedae
Besser noch ausführlicher und mit weitere Fakten untermauert, in unserem ebook:
Zum Artikel und Video im "LÍndependant" hier
