Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
schatzsucher.over-blog.de

Reichtum durch Messhandel ?

4. April 2011, 16:31pm

Veröffentlicht von asmodeus

Wie wir wissen, ist die Geschichte des „Milliarden-Pfarrers“ von Rennes-le-Château im Grunde genommen weiter nichts, als ein Abenteuerroman, der auf wirklichen Ereignissen basiert. In ihren Grundzügen ist die Story von Noel Corbu konzipiert worden, der mithilfe einer spektakulären Geschichte Gäste in sein neu gegründetes Hotel, in Rennes-le-Château, zu locken gedachte. Er hatte gar nicht die Absicht, sich dabei so nahe wie nur möglich  an die wirklichen Geschehnisse zu halten. Und er konnte ja schliesslich auch gar nicht vorhersehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln, dass sich seine Geschichte schon bald quasi verselbstständigte, von Profis weiter verarbeitet werden würde und danach, von zahllosen Amateuren geradezu hemmungslos ausgeschmückt, umgedeutet, nicht selten sogar ernst genommen werden sollte. Von den Lesern ganz zu schweigen.  Und irgendwann kam es, wie es kommen musste – es trat so etwas wie eine Übersättigung ein. Der Schatz, woraus immer er auch bestehen mag, ward noch immer nicht gefunden, alles, was die Herzen höher schlagen lässt, war schliesslich mit der Geschichte verwoben – der Heilige Gral, die Bundeslade, das Stargate und die Ururenkel von Jesus und Maria-Magdalena. Nun kam die Stunde der phantasielosen kleinen Klugscheisser – der Enthüller. Und die hatten es natürlich leicht, mit dieser Saunière-Saga in jeder ihrer Varianten. Noch mehr Bücher wurden geschrieben, in denen der Nachweis erbracht wurde, dass die „Affaire Rennes-le-Château“ nichts weiter als ein gigantischer Schwindel sei.

 

Die Kernfrage in der ganzen „Affaire Rennes-le-Château“ lautet nach wie vor: Wie soll man es sich erklären, dass ein mittelloser kleiner Landpfarrer urplötzlich zu einem gewissen Reichtum gelangt ist?

 

Obwohl die allermeisten Überlegungen von seriöser Seite zu dem Schluss führen, dass in dem konkreten Fall tatsächlich ein Schatzfund als die plausibelste Antwort infrage kommt, wird diese, die nächstliegende Erklärung, von einigen Forschern und Buchautoren auf das entschiedenste bestritten. Warum eigentlich?

Und worauf gründet sich deren meist sehr lautstark vorgetragene Überzeugung?

In erster Linie und beinahe ausschliesslich auf die Behauptung, Saunière betrieb auf betrügerische Weise Messhandel und machte damit ein Vermögen. Über so etwas können manche Leute tatsächlich ein ganzes Buch schreiben. Insofern aber auch eine staunenswerte Leistung. Diese Behauptung – erst einmal in die Welt gesetzt – hat mit der Zeit einen gewissen Tatsachencharakter angenommen. Aber eigentlich nur deshalb, weil sie ständig wiederholt wird. Klingt ja auch irgendwie überzeugend – und da war doch wirklich irgendwas...

 

Ja, da war tatsächlich irgendwas: Bischof Beauséjour beschuldigte den Curé von Rennes-le-Château, des illegalen Messhandels, weil der Curé sich hartnäckig weigerte, über die Herkunft seines Vermögens Rechenschaft abzulegen. Und das war aber auch schon Alles... Der Bischof blieb den Beweis für seinen Vorwurf schuldig. Dem Abbé ist niemals eine strafbare Handlung nachgewiesen worden. Das Verfahren endete mit einem Freispruch. Bereits an dieser Stelle muss man sich doch sehr darüber wundern, auf welche Weise denn nun heute, posthum, gewissen Enthüllern gelungen sein soll, was einem Bischof, zu Lebzeiten Saunières, unmöglich gewesen ist. Aber man kann das wohl nicht völlig ausschliessen.

 

Vergegenwärtigt man sich nun die Beträge, um die es dabei geht, dann muss man sich sogar noch mehr wundern. Bérenger Saunière soll mit dem lesen – oder nicht lesen – von  verbotenen Messen Summen eingenommen haben, die umgerechnet mehreren Millionen Euro entsprechen würden.

 

An dieser Stelle eine Zwischenbemerkung: Die Umrechnung des alten französischen Golfranc in eine heute gültige Währung bereitet allen Rennologen zugegebenermassen einiges Kopfzerbrechen. Darüber ist viel diskutiert worden und langwierige Recherchen führten schliesslich zu einem Konsens, indem man sich auf einen durchschnittlichen Umrechnungsfaktor von ungefähr 1 : 10 einigte. Massgeblich orientiert man sich dabei an der Kaufkraft des Geldes und da entspricht ein Goldfranc in etwa 10 Euro.

 

Betrachten wir nun die Summen, um die es geht. Saunière persönlich bezifferte die Baukosten für die Villa Bethania auf 90.000 Franc. Für die Innenausstattung der Villa und des Tour Magdala nennt er eine Summe von 15.000 Franc. Der Pfarrer liess übrigens das gesamte Gelände auf seinem Grundstück auffüllen und planieren, was ihn weitere 10.305 Franc kostete – oder mehr, denn es existiert nur noch diese eine Rechnung, was nicht bedeutet, dass für diese „Erdarbeiten“ noch weitere Kosten anfielen, für die kein Beleg mehr vorhanden ist.  Für zahlreiche andere Ausgaben, die nicht in den reinen Baukosten enthalten sind, blieben Rechnungen erhalten, so z.B. für die Geländer im Park und auf dem Umgang – 2.500 Franc, für die Buntglasfenster in der Villa – 950 Franc. Leider haben wir keine zuverlässigen Angaben darüber, was der Bau des Turmes insgesamt kostete. Wir wollen uns hier nicht tiefgründig mit der Buchhaltung des Abbé befassen und setzen die Gesamtkosten seiner Bautätigkeit mit ungefähr 150.000 Franc an. Es kann etwas weniger – es kann aber auch etwas mehr gewesen sein. Und lassen wir ruhig die bestimmt nicht geringen Kosten für Inneneinrichtung, wie Möbel, Bilder, Kunstgegenstände usw. mit in dieser Gesamtsumme untergehen – dann haben wir es hier mit einer Summe von etwa 1,5 Millionen Euro zu tun, die der Curé mit seinem angeblichen Messhandel eingenommen haben soll. Für eine protzige Villa, die er gar nicht brauchte, in der er niemals wohnte. Denn kaum waren die Bauarbeiten abgeschlossen, mietete der Curé das alte Pfarrhaus für weitere 5 Jahre von der Gemeinde und blieb mit Marie darin wohnen.

 

Nicht zu vergessen, der ausschweifende Lebenswandel des kleinen Curé vom Lande. Saunière dürfte gut und gerne das Doppelte oder auch das Dreifache von dem, was ihm seine Bautätigkeit kostete, ganz einfach verjubelt haben.

 

So viel man weiss, verlangte ein Pfarrer damals, für das lesen einer Messe, zwischen 2,50 und 5 Franc. Nehmen wir an, Saunière hätte immer den Höchstpreis kassiert, dann hätte er 30.000 zahlende Kunden alleine für die Baukosten haben müssen und das ist einfach absurd. Das bleibt es auch, wenn man annimmt, dass ein Teil seiner Klientel gleich mehrere Messen gelesen haben wollte. Zehntausende arme Sünder sollen sich auf ein paar Inserate in katholischen Zeitungen hin, bei Saunière gemeldet haben?

Und was sollen das eigentlich für Inserate gewesen sein?

Wie bringt man das Kunststück fertig, in einem katholischen Blatt einen Service anzubieten, der gegen die katholischen Regeln verstösst?

Unauffällig? – dann würde es ja von der angepeilten Klientel kaum wahrgenommen.

Auffällig? – das wäre den katholischen Tugendwächtern sehr schnell aufgefallen.

 

Es käme da vielleicht auf einen Versuch an. Ganz offensichtlich hat noch nicht ein einziger Enthüller die Probe auf’s Exempel gemacht, und versucht, in einem katholischen Blatt per Inserat das Lesen von sogenannten schwarzen Messen anzubieten... Aller Voraussicht nach würde der sich dann auch sehr wundern. Völlig verzweifeln würde er aber mit absoluter Sicherheit dann, wenn ihm – wider Erwarten – tausende, ja zehntausende von schriftlichen Anfragen ins Haus flattern, die unvermeidlich beantwortet werden müssen und zwar schriftlich. Jeder einzelne Klient verursachte einen Schriftwechsel über zwei oder drei Briefe. Da galt es oftmals seelsorgerische Arbeit auf dem Postweg zu leisten, wollte der Abbé dem armen Sünder sein Geld abknöpfen. Kein Telefon, kein Kopierer, kein Internet und das Postamt 5 km weit entfernt unten, in Couiza. Und das Alles für 5 Franc?

 

Aber es wird noch viel wunderbarer: Denn wie wir gerade feststellten, ginge solch ein Messhandel zwangsläufig mit Schriftwechsel einher. Dieser Schriftwechsel hätte bei abertausenden von Kunden ungeheure Ausmasse angenommen und eindeutige Spuren hinterlassen. Und die meinen besagte Enthüller natürlich auch gefunden zu haben – in der auffallend umfangreichen Korrespondenz, welche der Abbé nachweislich führte und ganz penibel in Listen erfasste. Doch stand der Abbé, ebenfalls nachweislich,  natürlich nicht im Briefwechsel mit tausenden Adressaten.  Überdies belegen seine diesbezüglichen Aufzeichnungen eindeutig, dass sein umfangreicher Briefverkehr zwischen 1907 und 1908 begann. Doch der Baubeginn der Villa fiel in das Jahr 1901. Das bedeutet, dass dem Curé bereits zu diesem Zeitpunkt die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestanden haben müssen.

 

So glaubhaft die Geschichte mit dem Messhandel als die Quelle für Saunières Reichtum auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag, erweist sie sich ganz schnell wenig stichhaltig. Sie kann nicht überzeugen. Über die wirkliche Herkunft von Saunières Vermögen herrscht weiterhin Unklarheit und so, wie bisher, kommt als wahrscheinliche Quelle auch weiterhin am ehesten ein Schatzfund in Betracht.

 

 Prof.ren. asmodeus

Kommentiere diesen Post