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Krypta perdu

4. April 2011, 16:46pm

Veröffentlicht von asmodeus

Wie man unschwer feststellen kann, scheint eine beachtliche Anzahl von Menschen recht genau zu wissen, wo sich die geheimnisvolle Krypta von Rennes-le-Château befindet. Umso unverständlicher erscheint es uns, wenn sie dennoch bis heute nicht wiedergefunden werden konnte. Einer der Forscher, mit dem wir diesen heiklen Punkt erörterten, äusserte erhebliche Zweifel daran, dass die Krypta dort zu finden sein soll, wo sie vermutet wird:

"Diese ganze Diskussion, das seit Jahrzehnten anhaltende Rätselraten, um jene ominöse Krypta, oder wie auch immer man das Ding nennt, ist für mich übrigens irgend wie nicht so recht nachvollziehbar.
 
Was gibts denn da eigentlich lange zu suchen?


Laut R-l-C-Historie ließ Saunière vor dem Altar eine Platte aus dem Fußboden heben - was meines Wissens noch niemand ernstlich in Zweifel zog. Über den weiteren Hergang gibts dann die verschiedensten Varianten. Ob er da nun sofort die Bauarbeiter mit einer Lourdes-Medaille beglückte und nach Hause schickte, alleine dort hinunter stieg, oder mit Marie, oder gar mit Boudet, ob er dort unten ein Töpfchen voller Taler fand, oder den "Kirchenschatz" von seinem Amtsvorgänger, etc. Das alles ist doch für den einen Punkt völlig unerheblich. Die Platte soll vor dem Altar gelegen und den Eingang in eine unterirdische Kammer verdeckt haben.

Was gibts denn da nun zu suchen?

 
Sollte denn noch kein Mensch auf die Idee gekommen sein, an der Stelle zu buddeln?
Natürlich sind schon viele auf diese Idee gekommen und ein paar von ihnen haben dort mehr als bloß gebuddelt. - Negativ.

 
Wenn dort niemals auch nur die Spur einer Krypta gefunden worden ist, dann stimmt doch mit absoluter Gewissheit die gesamte Geschichte von der Platte und der Krypta hinten und vorne nicht. Da vor ungefähr vierzig Jahren bereits der Boden in dem gesamten kleinen Kirchlein bestimmt schon mehrfach um und umgegraben worden ist, ohne daß sich da irgend wo ein Hohlraum auftat, wäre es ja eigentlich ein kleines Wunder, wenn der Prof. Eisenmann ihn nun auf ein mal doch noch hätte entdecken können.
Aber, selbst wenn ein solches Wunder geschähe - na und?
Was denn dann?


Zu finden wäre da drinnen doch nun ganz bestimmt nichts mehr, denn Saunière ließ ja sicherlich nichts liegen. Nun steht er darüber hinaus aber auch noch in dem üblen Ruf, einer gewesen zu sein, der alle Spuren verwischte und Zeichen verschwinden ließ. Sollte es etwas in der Art in dieser Krypta gegeben haben, dann gibts seit 1900 nichts mehr.

 
Bliebe also noch die Grabstätte der Herren von R-l-C. Eine Gruft, von der sich nicht die geringste Spur in den Kirchenbüchern von Marie-Madeleine finden läßt. Kann sich ja schließlich auch nicht finden lassen, eben weil sich die Gruft eben so wenig finden läßt. Diese Gruft scheint es also auch nicht zu geben - jedenfalls nicht in der Kirche Marie-Madeleine. 
 

Krypta hin oder her - das Ding gehört, wenns denn tatsächlich existieren sollte, ausgegraben und nicht ausdiskutiert. 

Diese Schraube kann man natürlich noch bis ins Unendliche weiterdrehen, weil ja eben so unendlich vieles sowohl dafür, als auch dagegen spricht. Das sind gewissermaßen Glaubensfragen um die Kirche Marie-Madeleine. Wer also an die Existenz jener Krypta in dieser Kirche glauben möchte, der wird sich dabei auf entsprechende Indizien stützen können. Ich will nur zu bedenken geben, daß die meisten dieser Indizien Legendencharakter haben. Wenn nun jemand allerdings wirklich einen echten Beleg dafür gefunden hat, aus dem hervorgeht, was er da ins Feld führt, dann gäbe es daran selbstverständlich nichts zu rütteln. Was aus diesem Beleg, der hoffentlich eine Urkunde ist, aber nicht hervorgeht, das ist Klarheit darüber, von welcher Kirche da eigentlich die Rede ist.

St. Peter, die zweite Kirche von Rennes-le-Château, existierte. Das steht immerhin fest. Und St. Peter existierte noch in dem fraglichen Zeitraum - 1705 ebenso, wie noch 1725, als die letzten Bestattungen im "tombeau" der seigneurs vorgenommen worden sein sollen. Erst im Verlaufe der Revolution ist sie zerstört worden und blieb danach noch lange Zeit als Ruine stehen.

Erbaut vom Pierre de Voisins, dem Enkel von Montforts Gefolgsmann. Also lässt sich die Zeit, in der St. Peter erbaut worden ist, auf einen engen Zeitraum eingrenzen. Pierre de Voisins taufte sie auf den Namen seines Patrons. Zumindest er, ich meine Pierre, muß sie also ganz offensichtlich als die Familienkirche angesehen haben, was nahelegt, daß die Voisins sich von da an in "ihrer" Kirche auch bestatten ließen.

Ich mag jedenfalls nicht an die Gruft in Marie-Madeleine glauben. Dabei stütze ich mich jedoch weniger auf Indizien sondern auf die Fakten - und daß in Marie Madeleine, trotz intensivster, jahrzehntelanger Suche, welche richtige Tiefgrabungen einschloß, keine Krypta und überhaupt kein Hohlraum gefunden worden ist, das ist ein knüppelharter Fakt. Den muß man ganz einfach in Rechnung stellen.

Noch was zu den Zerstörungen, denen Marie Madeleine auf wundersame Weise immer entgangen zu sein scheint: Warum wohl? Sollten die bösen Buben, welche überhaupt keine Skrupel hatten, St, Peter wiederholt zu demolieren, vor MM in Ehrfurcht erstarrt sein? Wohl kaum. Die Jungs interessierten sich offensichtlich nicht für Marie Madeleine und dafür muß es Gründe gegeben haben. Als ersten guten Grund will mir scheinen, hielten sie es nicht für der Mühe Wert. Mit anderen Worten: dort war zum einen nichts zu holen und zum anderen schien sie ihnen wohl zu bedeutungslos, um irgend welche Wut daran festzumachen. Sie war ihnen weder Symbol noch Beute. Das ist sie erst im 20. Jh. geworden.

"Statements", von aktuell auf die eine oder andere Weise involvierten Personen, sollte man besser immer mit gebührender Skepsis begegnen. Diese Leute verfolgen doch ganz bestimmte Interessen. Die mögen ja durchaus graduell unterschiedlich gewichtet sein, im Kern stimmen sie letztlich aber überein. Und Klappern gehört nun mal zum Handwerk. Ob also ein Prof. Eisenmann in irgend einer Mystery-Doku etwas über Kisten murmelt, oder ein Bruce Burgess irgend einem zudringlichen Frager (aus seiner Sicht) irgend was dahinsagt, vom Bürgermeister ganz zu schweigen. Keiner von denen wird der Henne, die ihnen goldene Eier legen soll, auch nur ein Federchen krümmen wollen, geschweige denn eine Autopsie voenehmen. Dieses ewige Hin und Her, zwischen Grabenwollen und Nichtgrabendürfen oder -können, wird so schnell nicht beendet werden.

Das nix in den offiziellen Kirchenbüchern (Berichte der Bischöfe, Inventuren etc.) heute zu finden ist, liegt einfach daran, weil die erst 100 Jahre nach der Schließung beginnen. Also, hier wirds unübersichtlich. Das alte Kirchenregister von R-l-C existiert doch immer noch. Dieses Register reicht bis vor 1694 zurück und in diesem Register ist nämlich genau das zu lesen - wenn auch nicht mehr vollständig - "Im Jahr 1705 dreißigster Tag des März ist verstorben, im Château des hiesigen Ortes die Dame Delsol, im Alter von ungefähr 75 Jahren..." usw. Sterbedatum und Begräbnis sind notiert, aber nicht, wo das Grab sich befindet. Von Marie Madeleine ist keine Rede. Nichts Neues im Übrigen. Aus dem Wenigen den Schluß zu ziehen, es müßte in MM sein, das ist reichlich kühn. 

Es gibt einige Autoren, die behaupten, dass es unterirdische Gänge zwischen St. P. und MM sowie dem Schloß Hautpoul gegeben haben soll, die heute zugeschüttet sind. Auch das wäre kein unüblicher Vorgang.

 

Ist es denn nicht bezeichnend, oder doch wenigstens auffällig, daß alles Interesse beinahe ausschließlich Marie Madeleine gilt - sogar, offensichtlich, darauf gelenkt wird?
 

Dieser Prof. Eisenmann soll also mit seinen Wunderapperaten lediglich Marie Madeleine und das Gelände unmittelbar ringsum, also Friedhof, Garten und Parkplatz gescannt haben, ohne jemals auf die Idee zu kommen, vom Parkplatz aus, noch ein paar Schritte weiter zu gehen, hinüber zu dem Platz, auf dem St. Pierre einst stand?
Da wird doch zweifellos einiges vernebelt. Und mit beträchtlichem Erfolg. Mal abgesehen davon, müßte es doch mit diesen Geräten sicherlich möglich sein, wenigstens Teile des alten Rhedae zu erkennen. Da gehts doch um eine absolute Kernfrage: War R-l-C denn überhaupt tatsächlich früher mal Rhedae - diese Stadt gabs ja wirklich. Fedie beschreibt die alten Anlagen schließlich mehr als nur genau genug, um sie auffinden zu können. Auch dafür sollten sich weder Eisenmann noch Barrattolo interessieren, und der Bümeister auch nicht und auch sonst keiner...? 

 Im übrigen bleibe ich dabei: Wenn es in Marie Madeleine eine Krypta, eine Gruft, ein tombeau der Voisins gäbe, dann hätte es längst gefunden werden müssen und es wäre gefunden worden.

 
Angefangen mit Noel Corbu, der jahrelang ungestört und emsig überall suchte - besonders in der Kirche. Weiter mit René Descadeillas, der obendrein ein Fachmann war, oder mit Henri Buthion und nicht zuletzt auch mit J.M. Cholet, der vielleicht sogar deshalb vertrieben wurde, weil er nahe daran war, zu entdecken das es gar nichts zu entdecken gibt. Die Reihe ließe sich problemlos fortsetzen. Alle Sucher stützten sich auf genau jene Indizien, welche seit mehr als fünfzig Jahren immer noch ins Feld geführt werden. Sie gingen genau jenen Hinweisen nach. Und auf den Kopf gefallen waren diese Männer ganz gewiß nicht.

Und noch ein satter Widerspruch: Niemand scheint sich merkwürdigerweise daran zu stoßen, das nicht mal ein Mr. Captier weiß, wo diese ominöse Krypta sein soll. Hätte sich die Geschichte ihrer Entdeckung damals so zugetragen, wie sie heute erzählt wird, dann kann überhaupt kein Zweifel daran bestehen, daß Captiers Großvater, der Glöckner zu Saunières Zeiten war, von der Krypta gewusst hätte, daß er sie gekannt haben und wissen mußte, wo sie ist. Und dieses Wissen hätte er verschwiegen? Captier-Enkel wäre das vorenthalten worden? Ich möchte da nur an einen anderen, vergleichbaren Vorfall erinnern. Captier-Grossvater war es, der die berühmte Phiole, welche ein Pergament enthielt, in den Trümmern des abgerissenen Altars fand, und diese Dorfsensation umgehend zuerst m Familienkreis verbreitete. Von der Entdeckung einer Krypta hätte er folglich zu Hause ebenfalls erzählt.

 
Was ist mit den anderen Zeugen? - den Bauarbeitern, den Chorknaben?

 
Es hätten von Anfang an zu viele außenstehende Menschen von der Krypta gewusst (und wo sie war, bzw. gewesen sein soll), so daß sich Saunière gar keine Illusionen hinsichtlich Geheimhaltung zu machen brauchte. Die Geschichte wäre in dem kleinen Nest eine Sensation gewesen. In Nullkommanichts hätte das gesamte Dorf alle Einzelheiten gewußt und in der Woche darauf der gesamte Kanton. Noel Corbu hätte später noch mit Leichtigkeit jemanden aus dem Dorf gefunden, der ihm für ein Trinkgeld die Stelle gezeigt hätte."

Das sind Argumente, denen man sich nur schwer entziehen kann. Zumal das Problem mit den unvermeidlichen Zeugen auch eine bedenkliche Schwachstelle in den Untersuchungen und Überlegungen von André Douzet darstellt. An Umbauarbeiten, die in erster Linie dazu gedient haben sollen, irgend ein geheimes Versteck, einen verborgenen Raum, verschwinden zu lassen, waren zwangsläufig Bauarbeiter oder Handwerker beteiligt. Denen dürfte schwerlich entgangen sein, wozu man sich ihrer bediente. Die idealen Geheimnisträger dürften sie ebenfalls nicht gewesen sein. Derartige Baumassnahmen hätten wahrscheinlich viel eher erst Recht Neugierde und Aufmerksamkeit geweckt, statt etwas zu vertuschen.

asmodeus

 

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