Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
schatzsucher.over-blog.de

Die Geheimnisse von La Soulane

4. April 2011, 11:52am

Veröffentlicht von asmodeus

Eigentlich sollte dieser Artikel unter der Rubrik "Schatzfunde bei RLC" seinen Platz finden. Doch als wir die Geschichte des Schatzfundes, der hier gemacht wurde, vor Ort nachprüfen wollten, fanden wir uns an einem Ort wieder, der es verdient, ausfürlich vorgestellt zu werden.

Kaum bekannt ist ein Schatzfund, der in den 80er Jahren nahe bei Rennes-les-Bains zu verzeichnen war. Gegenüber der NW-Flanke des Berges Serbairou, der unter Schatzsuchern ohnehin als hotspot angesehen wird, erstreckt sich vom gegenüber liegenden Ufer der Sals an, ein anderer Berghang, der den Namen „La Soulane“ trägt. Hier fand ein französischer Schatzsucher, der verständlicherweise nicht namentlich genannt werden möchte, einen wertvollen Schatz, bestehend aus mehreren goldenen Gegenständen, darunter eine massive goldene Statue – zusammen, mit einem menschlichen Skelett. Der Mann wollte sich, aus Gründen seiner persönlichen Sicherheit, weder konkret über die Anzahl und die Art aller anderen Objekte äussern, aus denen sich der Fund zusammen setzte, noch wollte er seine wahre Identität preisgeben. Didier Audinot, ein Journalist und glaubwürdiger Experte auf dem Gebiet der Schatzsuche, hatte jedenfalls gute Gründe dafür, den Mann ernst zu nehmen und die Geschichte zu prüfen. Audinot kam zu dem Resultat, dass der Bericht des Mannes nicht frei erfunden gewesen ist. Wegen der besonderen Fundumstände ist der Finder fest davon überzeugt, lediglich einen Teil eines noch viel grösseren Schatzes gehoben zu haben. Der vermutlich grössere Teil wäre, für den Mann unerreichbar gewesen, weil tiefer in dem Versteck verborgen liegend. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, dass sich an der bezeichneten Stelle eine unterirdische Kammer befindet, deren Zugang er nicht fand. Und nur aus diesem Grund – weil der Schatzsucher eingesehen hatte, dass er an der Stelle im Alleingang erfolglos bleiben würde, nahm er schliesslich Kontakt zu Kollegen auf, denen er anhand von Zeichnungen die Sachlage verdeutlichte.

01 

Eine der Skizzen des Schatzsuchers, mit detaillierten Angaben über die Lage und Besonderheiten an der Fundstelle auf La Soulane.

 

Man gelangt zu der bezeichneten Stelle, indem man von Rennes-les-Bains aus, auf der D 14 nach dem Ortsausgang, die links mit einer Brücke beginnenden D74 in Richtung Sougraigne verfolgt. Diese Strasse verläuft dort an der Sals entlang, zwischen dem Serbairou und La Soulane und passiert dabei u.a. die Quelle Fontaine d’Amour und die alte Ruine neben dem sogenannten „Taufbecken“ in der Sals. Von diesem markanten Punkt aus, bewegt man sich dann nach links den Hang von La Soulane aufwärts, bis man das Felsenchaos erreicht hat, in dem seiner Zeit der Schatz gefunden worden ist. Die markante Felsenformation, welche auf den beiden Skizzen zu sehen ist, ist Bestandteil jenes Chaos.

02

Im unteren Bereich auf dieser Skizze, befindet sich die konkrete Wegbeschreibung, bis hin zur Fundstelle. Im oberen Teil nochmals Zeichnungen der markanten Felsformation, aus unterschiedlicher Perspektive. Ansicht A zeigt die Fundstelle am Fusse des Felsens und oberhalb davon den Felsenabsatz mit dem tiefen, mysteriösen Loch

 

03 

Inmitten der Felsen fällt eine Formation auf, die aus zwei mit geringem Abstand zueinander aufrecht stehenden, etwa 3 m hohen, Blöcken besteht. Über dem kaminartigen Zwischenraum bildet eine Felsenplatte den oberen Abschluss. Am Fuss des auf den Skizzen mit A bezeichneten Felsblockes soll in geringer Tiefe der Schatzfund gemacht worden sein. Darüber, in demselben Block, befindet ein kleines rundes Loch mit etwa 3 cm Durchmesser. Dabei handelt es sich um die Öffnung einer engen Röhre, die offensichtlich tief in den Felsen hinein reicht. Audinot, der die Angaben des Schatzsuchers an Ort und Stelle prüfte, versuchte die Tiefe der Röhre zu bestimmen, indem er einen 2 m langen Stock hinein schob. Doch sein Stock war nicht lang genug. Längere Äste waren zu dick und auf eine solche Länge auch nicht gerade genug gewachsen, und so bleibt nur zu vermuten, dass die Röhre auf jeden Fall weiter als 2 m in den Fels hinein reicht.  Was natürlich die Frage nach Entstehung und Zweck aufwirft. Auf natürliche Weise kann solch eine Röhre – wir haben es auf La Soulane nur mit Kalk- und Sandsstein zu tun – wohl kaum entstanden sein. Aber auch wenn man dabei in Rechnung stellt, das eine natürliche Ursache letztlich nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, käme hierbei einfach entschieden zu viel „Zufall“ ins Spiel, wenn – wie geschehen – exakt unterhalb dieser seltsamen Röhre ein Skelett, zusammen mit einem veritablen Schatz, begraben lag. Wie schon erwähnt, geht der betreffende Schatzfinder davon aus, dass die Röhre von Menschenhand in den Fels getrieben worden sein muss (selbst angesichts unserer heutigen technischen Möglichkeiten würde so etwas als eine beachtliche Leistung erscheinen) und dass sie der Belüftung einer Kammer dienen soll, die sich unter der Felsformation befindet. Einer Grabkammer vielleicht...?

 Die Anlage hat Ähnlichkeit mit einem Ganggrab. Dann müsste der Gang allerdings in eine Kammer führen, was hier jedenfalls nicht der Fall ist, denn er verläuft lediglich unter den beiden 

06

 

 

 

 

 

 

Nachdem wir das vermutliche Ganggrab und die „zugehörige“ Felsformation untersucht hatten, stiegen wir am Steilhang weiter hinauf. Nach etwa 10 m Aufstieg gelangten wir auf ein Plateau mit nur mässigem Gefälle – und standen bereits vor dem nächsten Rätsel. 

09(

 

 

 

 

 

 

 

 

...Und eine Mühle, inmitten von Gräbern?

So kamen wir schliesslich auch auf den Gedanken, dass es sich bei der Anlage möglicherweise auch um einen alten Beobachtungspunkt handeln könnte. Da die Vorrichtung so konstruiert worden ist, dass sich im grösseren Becken ein absolut konstanter Wasserspiegel erhält, indem man vom kleineren Becken aus, durch die Röhre, ganz behutsam kleine Mengen Wasser nachlaufen lässt, hätte man tatsächlich einen Spiegel geschaffen, in dem sich des nachts ein Himmelsabschnitt gut beobachten liesse. Letztlich ebenfalls nur eine reine Vermutung.

Es gab natürlich noch andere Überlegungen...

Etwa 350 m weiter westlich standen wir schon bald vor einem weiteren Rätsel. 

Kann es sein, dass der wichtigere Teil von „La Vraie Langue Celtique et Le Kromleck de Rennes-les-Bains“ die, im Anhang abgebildete, Landkarte ist?

Gänzlich unverhofft machten wir gleich bei unserer ersten Exkursion bei La Soulane einen schönen Fund. Mir fiel ein am Boden liegender kreisrunder Stein auf, weil er im Licht der Sonne regelrecht leuchtete. Wegen seiner Grösse und seines Gewichtes liess ich ihn liegen, obwohl ich ihn eigentlich gerne mitgenommen hätte. Also fotografierte ich ihn wenigstens. Nach Tagen suchte ich zu Hause in einem Reiseführer[3] nach einer Notiz im Zusammenhang mit dem Pech de Bugarach und stolperte beim Blättern über eine Anmerkung zum Museum in Lodève. Dort „...werden scheibenförmige Steine aus Uclas-du-Bosc gezeigt, die aus dem 12. bis 15. Jh. stammen. Die Verwendung dieser monolithischen Steine, die im Mittelalter in Südwestfrankreich recht stark verbreitet waren, geht auf die Antike zurück; die Scheibe stand damals für die Sonne, doch wurde sie in der christlichen Ära zum Symbol für den auferstandenen Christus.“ Kaum wusste ich, was für einen Fund ich bei La Soulane einfach liegen liess, machte ich mich auf den Weg, um ihn zu bergen. Ich habe meine Sonnen-scheibe bis heute nicht wiederfinden können.

Fragen über Fragen, denen Udo Vits in seinem neuen Buch "OCCITANISCHE ABENTEUER" nachgeht und von weiteren Entdeckungen ausführlich berichtet.

Erhältlich über amazon

asmodeus

 


[1] Mit Cairn wird eine besondere Form der über ganz Europa verbreiteten Hügelgräber bezeichnet. Zuerst als Name für die, besonders im Norden der britischen Insel anzutreffenden Gräber gebräuchlich, werden aber auch die in Frankreich und anderen Ländern verbreiteten Steinhaufen – denn genau das bedeutet der Name Cairn – so genannt, im Unterschied zum Tumulus, einem Erdgrabhügel.

[2] Unsere Exkursionen bei La Soulane sind gefilmt worden und auf DVD über den Verlag erhältlich. In diesem Film sind alle uns auffallend und interessant erscheinenden Objekte zu sehen, darunter natürlich auch der Dolmen von aussen und von innen

[3] „Der Grüne Reiseführer – Languedoc/Pyrenäen“, Michelin Reise-Verlag, 2003, S.306

Kommentiere diesen Post