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Alet-les-Bains

13. Juni 2011, 17:37pm

Veröffentlicht von asmodeus

 

Alet Juni 2010 (3)Inmitten einer gebirgigen Landschaft, liegt Alet-les-Bains ca. 30km entfernt von Carcassonne und 8km flussaufwärts von Limoux, am rechten Ufer der Aude, wie in einem Halbschlaf, im Rhythmus der Jahreszeiten. Auf halbem Weg zwischen der Gorges Cascabel im Süden und dem Pas du Loup im Norden, von der Hochebene von St. Adrian im Westen und dem Bergrücken von St Salvayre im Osten begrenzt. Unter der südlichen Sonne des Midi  Die Natur hat offensichtlich beschlossen, diesen Ort zu einem bevorzugten Ort zu machen. Wollte man den Versuch unternehmen diesen Platz mit einem Wort zu beschreiben, würde „privilegiert“ vermutlich am ehesten zutreffen. Von dergleichen Überlegungen oder Gefühlen müssen die Menschen geleitet gewesen sein, als sie dem Ort seinen alten Namen – Pagus Electensis – gaben.

SANY0311Seit der gallo-römischen Epoche erfuhr der Platz Wertschätzung wegen seiner zwei Thermalquellen und wegen des frischen Wassers aus dem Theron, dem heute noch Wunder- oder doch zumindest Heilkräfte nachgesagt werden. Spuren menschlicher Besiedlung fanden sich jedoch aus noch früherer, aus vorgeschichtlicher Zeit. Nicht an dem selben Platz, an dem sich die kleine Stadt heute ausbreitet, wohl aber in den Bergen, oberhalb des Ortes, existierte einst ein gallisches Oppidum, über dessen genaue Lage man allerdings uneinig ist. Einer der Clans, des Stammes der gallischen Atacins, bzw. der Tectosages, dürfte hier, nahe dem Ufer des heiligen Flusses, nach dem sie sich nannten (oder nach dem sie von den Fremden, den Römern, genannt wurden) gesiedelt haben.

Römer in Alet-les-Bains?

An vielen Stellen im Stadtgebiet, aber auch in der Umgebung wurden seit altersher Tonscherben, aus unterschiedlich tief liegenden Erdschichten registriert und in jüngerer Zeit geborgen. Oft stammen diese Relikte, ebenso wie vereinzelte Münzfunde, aus der  römischen Epoche. So, wie auch die anderen frühen Spuren von Ansiedlung, wie z.B. älteste Bausubstanz, Zement und Mauerhaken des „unzerstörbaren“ Pont du Diable von den ersten Erbauern der Brücke erzählen – den römischen Eroberern, die hier, im Engpass, der Gorge d`Alet, zwei wichtige Handels- und Militärtransportwege (ins Chalabrais und ins Roussillon) über diese Brücke leiteten. Möglicherweise fanden die Römer an der Stelle bereits eine ältere Holzbrücke vor.

Alet Juni 2011 (173)Zwei uralte Sagen erzählt man sich über den Bau dieser Brücke. Die eine basiert wohl auf einer Stelle bei Cäsar, in der er eine Brücke erwähnt, die von den Römern über den Fluß Atax gebaut worden ist. In der anderen drücken sich abergläubige Vorstellungen aus. Weil die Brücke im Verlauf eines Tages und einer Nacht errichtet worden sein soll, konnten nach Ansicht der einfachen Leute nur dunkle Mächte ihre Hände im Spiel gehabt haben. Und so kam die Brücke zu ihrem Namen – Pont du Diable. Der ursprüngliche Name des Ortes wandelte sich um, in Alektha.

Alet Juni 2011 (147)Es sei nicht verschwiegen, dass diese römische Vorgeschichte von Alet nicht nur ungesichert ist, sondern dass sie den meisten Historikern zweifelhaft erscheint. Ihnen zufolge fand sich bisher kein einziges eindeutig römisches ziviles oder religiöses Denkmal in Alet. Eine Ansicht, der wir uns nicht vorbehaltlos anschließen wollen. Für diese Fraktion beginnt die Stadtgründung mit dem Erscheinen der Wisigoten in Aquitanien. Der Unterschied bestünde jedoch lediglich darin, dass in dem Fall zwar von einer gotischen Stadtgründung gesprochen werden müsste. Da die Goten aber als Förderaten, als verbündete Ordnungsmacht, vom römischen Kaiser Honorius nach Gallien geschickt worden waren, ist es natürlich nicht falsch, diese Vorgänge der gallo-römischen Epoche zuzurechnen. Die Episode mit dem Brückenbau kann in dem Fall jedoch nicht schon von Cäsar gemeint gewesen sein. Wie auch immer, Plinius erwähnt in seiner Aufzählung von Städten in der Provinz kein Alektha. In den Werken jüngerer Chronisten wird der Platz lediglich als vicum (Burg, Befestigung) bezeichnet.. Daran kann auch die immer noch nicht aufgegebene Suche nach einem hier vermuteten Dianatempel nichts ändern, der sich, den Anhängern jener Theorie zufolge, an der Stelle befunden haben soll, auf dem heute die Ruinen von Notre-Dame stehen.

Einzig und allein anhand der Inschrift auf einer Säule (oder eines Votivsteines), die im Ort gefunden wurde, schloß man auf die vormalige Existenz eines römischen Tempels. Die betreffende Inschrift lautet:

MATRI DEUM //

CN. POMP. PROBUS

Curator TEM //

PLI. VSLM

Rennologen kennen selbstverständlich die Geschichte des Gegenstückes zu der Säule aus Alet – den sogenannten Matri-Deum-Stein aus Rennes-les-Bains. Ausführlich in unserem Artikel:

Strabo Stein artikelzum Artikel - Bild anklicken...

Wegen der unbestreitbaren weitgehenden Übereinstimmung zwischen den beiden Inschriften, wird angenommen, dass ein wohlhabender und einflussreicher Römer, vielleicht ein Grundherr, oder ein höherer römischer Beamter, beide Steine anfertigen ließ. Und wir wissen, dass die Römer in der Nähe von  Thermen und Mineralquellen gerne kleine Tempel für die Göttin Hygieia oder für die Nymphe Thermon errichteten. Auf einen großen Diana-Tempel weist jedoch keine der beiden Inschriften erkennbar hin.

Schwerer ins Gewicht fällt eine der Hauptattraktionen von Alet. Betritt der Besucher Alet durch das nördliche Stadttor, fällt ihm auf dem Berghang, der sich links erhebt, eine seltsame Felswand auf. In regelmäßigen Reihen angeordnete runde Vertiefungen, die auf gar keinen Fall auf natürliche Weise entstanden sein können. Der Besucher vermutet richtig. Es handelt sich um das Werk von Menschen und die Löcher dienten einem ganz bestimmten Zweck, den man so leicht nicht errät. Hier, außerhalb der mächtigen Stadtmauer, am Rande der alten via corbensis, vor der Porte Cadène, befindet sich das sömische Columbarium, in dem nicht etwa Tauben gehalten wurden, wie Bezeichnung uns Aussehen vermuten lassen. Das Columbarium ist eine uralte Bestattungsanlage.

Kolumbarium, auch Columbarium (von lateinisch columbarium, der Taubenschlag; zu columba, die Taube), war ursprünglich die Bezeichnung für einen Taubenschlag; wegen der optischen Ähnlichkeit wurden dann auch altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen nach Feuerbestattungen so benannt. Heute bezeichnet man als Kolumbarium ein Gebäude oder Gewölbe, das der Aufbewahrung von Urnen dient und oft einem Friedhof oder Krematorium angegliedert ist.

März 2011 (15)

Die bisher entdeckten antiken Kolumbarien (über 100 sind bekannt) finden sich in Rom und dessen nächster Umgebung und stammen fast sämtlich aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. In der Regel wurden solche Kolumbarien von reichen Leuten angelegt, die für ihre zahlreichen Sklaven und Freigelassenen auch nach deren Tod sorgen mussten. Dementsprechend waren diese Kolumbarien schlicht zum Zweck einer möglichst kostengünstigen Bestattung errichtet worden. Die Bauweise war halb oder ganz unterirdisch. Als Urnen dienten tönerne Aschentöpfe (Ollae), die in die etwa einen halben Meter breiten Nischen eingelassen waren. Über den Nischen angebrachte Marmortäfelchen gaben die Namen der Beigesetzten an. (wikipedia)

Wir denken, dass die Existenz dieser Anlage für eine frühe römische Epoche in der Stadtgeschichte von Alet spricht. Andere Hinweise auf Anwesenheit der Römer, bei Sacliger und Catel beispielsweise, fanden bisher zu selten Beachtung.

Von den Wisigoten bis zu den Katharern

Wahrscheinlich in den Jahren 411/12 siedelten sich die Wisigoten in Auqitanien an. Sie versahen die Siedlung mit starken Befestigungsanlagen, die heute noch an manchen Stellen nachweisbar sind. In den Felsen über der engen Schlucht, in der die Aude fließt, errichteten sie eine Bastion, deren Mauerreste an der Felswand erhalten blieben.

März 2011 (42)Die schon erwähnte Porte Cadène, das nördliche Haupttor in der Stadtmauer und für lange Zeit der Haupteingang in die Stadt, ist dort von den Goten angelegt worden. Rechts und links des Tores befinden sich Schießscharten in der mächtigen Mauer, in der zugleich das Mauerwerk eines Château unterscheidbar ist, von dem sonst nichts mehr, als diese Partie übrig blieb. Die Art und Beschaffenheit dieser Mauerpartien unterscheiden sich deutlich von der übrigen, jüngeren Stadtmauer und weisen den Bau als Werk der Wisigoten aus.

Alet Juni 2011 (228)Eine Eigenart der wisigotischen Bauweise bestand darin, dass die Goten in die Außenmauern ihrer Verteidigungsanlagen oftmals ein Gebäude integrierten, welches eigentlich religiösen Zwecken diente – eine sogenannte capella. Eine Art kleines Kloster, in dem drei oder fünf Geistliche lebten, dort ihre Andachten verrichteten, Messen abhielten, aber auch so etwas wie einen Beobachtungsposten, ein Wächteramt inne hatten. In erster Linie waren sie jedoch die Seelsorger, Arzt und Krankenpfleger, aber auch Lehrer.

Alet Juni 2011 (321)Erst in späterer Zeit, ab dem 7.Jh. etwa, gingen die Goten dazu über, Kirchen im Zentrum der villaria zu platzieren. Anders, als an vielen anderen Plätzen in Rhdesium, an denen die vormaligen Klostergebäude sich im Verlauf des 9.Jh. und 10Jh. in feudale Herrenhäuser verwandelten, womit dem Klerus beträchtlicher Besitz und Einnahmen entgingen, fügten sich in Alet die Festungsbauten allmählich in die Klosteranlage ein. Diese Entwicklung wird das späteren Entstehen der mächtigen und reichen Abtei begünstigt haben.

Über die Situation im Alet des 8.Jh. gibt ein Dokument aus dem Jahr 796 Auskunft, das Guillaume Besse, in seiner „Geschichte der Herzöge von Narbonne“, veröffentlichte. In der alten Urkunde wird darüber berichtet, dass die Mönche des Klosters von Alet Teile der Stadtmauer wieder instand gesetzt hatten, weil sie den Ort nicht mehr wirkungsvoll genug schützten. Also muß die Festung ebenso wie das Kloster zu der Zeit schon bestanden haben, und kann nicht erst durch den Grafen Bera I. 813 gegründet worden sein, wie man immer wieder liest. „Denn der offizielle Akt der Gründung durch den Graf von Razes Bera, in 813, findet sich in einem Dokument, das als eine Fälschung erwiesen ist.“ (Ariège-News, vom 09.03.2006) Hinter der Gründung der Abtei standen jedoch noch eine ganze Reihe spanischer refugies, alter gotischer Adelsfamilien also, welche die finanziellen Mittel zur Verfügung stellten. Von dem amtierenden Papst Leo III. erhielt der Graf von Gothien, Bera I., ein Fragment des Heiligen Kreuzes. Diese Reliquie betrachtete man fortan als das kostbarste Bestandteil des Kirchenschatzes. Zugleich wurde die Abtei Alet dem Patronat von St.-Peter in Rom, mithin dem Papst direkt, unterstellt. Die Mönche der Abtei folgten der Regel des Hl.-Benedikt.

Alet Juni 2011 (399)Beras Sohn, Willemont, vereinigte die Abtei von Alet  mit der Abtei von St.-Polykarp und begegnete auf diese Weise wirksam den Begehrlichkeiten der anmaßenden Äbte von Lagrasse. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe zu St.-Polykarp, mehr noch aus Rücksicht auf die engen Verbindungen der spanischen refugies, welche St.-Polykarp favorisierten. Ferner scheint aber auch die das alte Oppidum zu der Zeit noch eine gewisse Rolle für die Entwicklung von Alet zu einer mächtigen Abtei und zu einem Bischofsitz gespielt zu haben. Denn das Oppidum war Zentrum eines Gebietes, welches etwa 4000 ha umfasste, die nun von der Abtei kontrolliert wurden. Diesem Zweck dienten die zahlreichen Einsiedeleien, Kapellen und Dorfkirchen, welche in der Folgezeit errichtet wurden. Hieraus erklärt sich die Existenz  der vielen interessanten Ruinen und Baureste in der Umgebung..

Alet Juni 2011 (134)Die von Anbeginn an vorhandene Rivalität zwischen der Abtei von Lagrasse und der von Alet brach in offene Feindseligkeit aus, nachdem Alet sich mit St.-Polykarp  verbunden hatte. Fortwährende Auseinandersetzungen und Kämpfe zogen sich über zwei Jahrhunderte hin, bis Papst Paschalis II. die alten Rechte von Alet bestätigte und erneut festschrieb. Sein Nachfolger, Calixtus II. präzisierte sechs Jahre später den Sachverhalt. Das von ihm autorisierte Inventar zählt:

Das Kloster St.-Polykarp, mit all seinem Anhang

das Kloster von Saint-Paul-de-Fenouillet

die Kirchen von Sainte-Colombe-sur-l`Hers, von Villeneuve (Cassaignes), von Payra, von Castelreng, die Marienkirche von Esperaza, beide Kirchen von Verzeillez

das Dorf Flacian

Burg und Dorf Cornanel

Burg und Dorf (!) Blanchefort

die Kirche von Notre-Dame-d`Orbieu (heute in der Kapelle Busquets Lagrave, bei Auriac)

und das Kloster St.-Papoul mit allem Anhang

als zu der Abtei von Alet gehörig auf. Sie spielte von nun an auch eine immer wichtigere Rolle in den weltlichen Auseinandersetzungen der römischen Kirche mit den Feudalherren. Gestützt auf die überlegenen Macht der Grafen von Razès, stärkte sich die Position Roms in der gesamten Provinz. Wie eng der Schulterschluß Alets mit Rom gewesen ist, zeigte sich unübersehbar im Jahr 1196, als Papst Urban II. nach seinem Besuch in Toulouse und Carcassonne, als einziges Kloster Alet aufsuchte, wo er am 18.und am 19.Juni  in der Kirche von Notre-Dame ein Hochamt abhielt.

Alet Juni 2011 (352)Mehr über die Stadtgeschichte...

 

Den Zenit seiner Macht und Bedeutung erreichte Alet unter der Leitung des Abtes Pontius Amely. Er sorgte während seiner Amtszeit für den Erhalt und für den beträchtlichen Ausbau der Verteidigungsanlagen. Die Mauern zogen sich, wie ein Gürtel, unterbrochen von Bastionen und Türmen, rings um die Stadt. Einige alte Wände aus dieser Epoche existieren heute noch und bieten ein merkwürdiges Muster von der militärischen Archtektur jener Zeit.

 

asmodeus    

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